[NIcht schäme dich / du saubere Melinde]
Written 1691-01-01 - 1691-01-01
NIcht schäme dich du saubere Melinde
Daß deine zarte reinligkeit
Der feuchte mond verweist in eine binde
Und dir den bunten einfluß dräut.
Der große belt hegt ebb' und flut
Was wunder wenns der mensch der kleine thut.
Die röthligkeit bey deinen bunten sachen
Hat niemahls deinen schooß versehrt.
Wie muscheln sich durch purpur theurer machen
So macht dein schnecken-blut dich werth.
Wer liebt ein dinten-meer wohl nicht
Weil man daraus corallen-zincken bricht?
Nur einmahl bringt das gantze jahr uns nelcken
Dein blumen-busch bringts monatlich
Dein rosen-strauch mag nicht verwelcken
Sein dorn der hält bey dir nicht stich
Denn was die sanfften blätter macht
Das ist ein thau von der johannis-nacht.
Kanst du gleich nicht die lenden hurtig rühren
Lobt man dich doch im stille stehn
Der augenblau wird leichtlich sich verlieren
Denn wirst du seyn noch eins so schön.
Man sammlet spricht die gantze welt
Viel besser frucht wenn starcke blüte fällt.
Laß mich darum doch keine fasten halten
Ein könig nimmt den schranck zwar ein
Doch muß er fort wann sich die wasser spalten
Der geist muß ausgestossen seyn.
Man geht wie iedermann bekandt
Durchs rothe meer in das gelobte land.