No. 11.

By Barthold Heinrich Brockes

Mit ergetzendem Erstaunen, mit bewunderndem Vergnügen,

Sieht man hier den stolzen Hirsch, gleichsam majestätisch, liegen.

Ich bewundere, mit Ehrfurcht, den, der solcher Glieder Pracht

Dieser Creatur geschenkt. Aber, wird nicht auch bedacht,

Rief ich, durch die Kunst gerührt, wie, durch etwas schwarze

Solch ein Thier, als wenn es lebet, lebhaft vorgestellet werde?

Seht, es reget sich der Hals! seht, ihn krönet sein Geweih;

Seht, wie jede Muskel, selbst durch die Haut, zusehen sey.

Aus dem Auge guckt der Hirschgeist. Kann man seiner Läufte

Härte, Glätt und Festigkeit deutlicher mit Farben malen?

In noch mehr, man sieht mit Lust, wie dieß Kunst - erfüllte

Noch, vor allen andern Blättern, was besonders an sich hat.

Man sieht hier, durch Kunst, die Kunst sich mit der Natur

In der Bäume Perspectiv herrscht die Ordnung, und es scheinen

Hier die Bilder keine Bilder, sondern Körper, die versteint.

Wie nun alles, was man sieht, nach dem Aug-Punkt sich verkleint:

So vergrössert sich bey mir die Bewunderung der Kunst,

Und zugleich der Preis des Schöpfers, dessen Weisheit, Macht

Wir so manche Wissenschaft, geist-und körperliche Gaben,

So zur Lust, als auch zum Nutzen, bloß allem zu danken haben.