Noch an dieselbe.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Als gestern abend ich bey meinen büchern saß

Und beym studieren auch fast meiner selbst vergaß

Sah’ ich gantz unverhofft die liebe zu mir kommen.

Sie sprang wie sie gewohnt sehr freudig in die thür

Und rieff: Auff! schicke dich die Phillis folget mir;

Die heute dich zu sehn ihr günstig vorgenommen.

Ich fühlte wie diß wort mir alle sinnen band

Und warff mit ungestümm die bücher aus der hand

Gleich als die Phillis drauff recht englisch kam gegangen

Von allen Gratien gefolget und begleit

Nicht anders als der mond bey später abend-zeit

Wenn man um seinen kreyß sieht tausend sterne prangen.

Cupido sah mich noch mit bösen augen an

Weil ich vor kurtzem ihm den argen schimpff gethan

Und ihn von mir hinweg zur Phillis fortgetrieben.

Er muste dazumahl auch wider willen gehn.

Itzt aber blieb er mir zum possen stille stehn

Und fieng zur seiten sich mit schiessen an zu üben.

Ja weil er sonderlich den abend war bedacht

Wie zeit und weile würd erfreulich zugebracht

Ließ er zu mehrer lust vermischte karten bringen

Und suchte selber ihm voll eyfer und begier

Als ein verschmitzter schalck ein solches spiel herfür

Da ihm nothwendig must ein ieder stich gelingen.

Er spielte hertzen aus und als man ihm bekannt

Führt er der Phillis selbst die perlen-weisse hand

So glücklich daß sie meins vor andern weggestochen.

Hier nahm ich allererst die scheitrende gefahr

Darinn er mich gestürtzt mit gröstem schaden wahr;

Und fand vor neulich ihn nur allzuwohl gerochen.

Itzt such ich Phillis dich und deinen holden blick

Ach gönne mir doch einst ein angenehmer glück

Und reiß den strick entzwey der meine freyheit bindet.

Ich thue schönste ja nichts wider die natur

Und folge bloß hierinn der allgemeinen spur

Denn wer will nicht dahin wo man sein hertze findet.