Noch andere Frühlings-Gedancken.
Der laue Strahl der wiederkehr'nden Sonne
Füllt die verdünnte Lufft mit neuer Lebens-Gluth,
Flösst rege Fruchtbarkeit in aller Thiere Blut,
Und, in der Menschen Geist, lang’ ungespührte Wonne.
Viel tausend Knospen öffnen sich,
Bey diesem lauen Frühlings-Wetter.
Man sieht viel tausend junge Blätter
Aus ihrem Schooß fast sichtbarlich
Entstehen und gebohren werden.
Nicht minder brechen aus der Erden
Noch unlängst braun-, seit gestern, grüner Brust,
Zu noch sich mehrender Gemüths- und Augen-Luft,
Viel tausend bunte Frühlings-Kinder,
In dem beblühmten Klee. Nicht minder
Fängt auf begrünter Bäume Zweigen
Ein angenehmer Schatz sich an zu zeigen.
Wie Silber gläntzt die reine Blühte;
Jhr lieblicher Geruch labt Cörper und Gemüthe.
Und sie versprechen uns, daneben
Noch manch erfrischendes Gerichte,
In säurlich-süsser Frucht, zu geben.
Schau mit bedachtsamen und aufgewecktem Sinn,
O Mensch, ietzt allenthalben hin!
Schau tausend, tausend Lieblichkeiten!
Schau, in der Silber-klaren Fluth,
Auf einem gleichsam güldnen Sande,
Auf welchem sie, ohn’ alle Ruhe, ruht,
Von einem Bluhmen-Klee- und Binsen-reichem Rande
Bekräntzt und eingefasst, viel tausend blaue Fische
Den fliessenden Crystall durchdringen,
Und bald gemach, bald wie der Blitz
Sich durch den klar- und feuchten Sitz
Bald auf-bald abwerts schwingen.
Hier murmelt, rieselt, rauscht der glatte Bach,
Bald dunckel, in der Bäume Schatten,
Bald hell bestrahlt, durch unbewachsne Matten.
Er wird des Waldes, dort
Begrünter, und allhier des Himmels blauer Spiegel.
Die Aecker grünen ietzt, es blühen Thal und Hügel,
Den schönsten Gärten gleich. In den bethauten Gründen
Springt ietzt manch schneller Hirsch, zusamt den Hinden,
Mit leichtem Fuß und aufgerecktem Ohr,
Aus dem belaubten Wald’ hervor.
Da rennt in dem beblühmten Grase
Ein flüchtiger geschwinder Hase.
Seht, wie er plötzlich stutzt, sich setzet,
Ein Männchen macht,
Und, wenn er niemand sieht, ob aller Frühlings-Pracht
Mit tausend Sprüngen sich ergetzet.
Beschaue denn die schöne Welt:
Erwege doch mit frölichem Gemüthe,
Was sie für Wunder in sich hält,
Und lob’, in deiner Lust, des grossen Schöpfers Güte.