Noch andere Herbst-Gedancken.

By Barthold Heinrich Brockes

Es kühlete nunmehr der Herbst die Tage schon,

Als ich, zur Abend-Zeit, im Garten hin und her

Jm hellen Mond-Schein gieng; da ich von ungefehr

Den Glantz der herrlichsten Jllumination,

Die ie ein Mensch gesehn, erblickt.

Ich sah zuerst von meinem Zimmer,

Die Fenster angestrahlt und herrlich ausgeschmückt.

Der mehr als Silber-weisse Schimmer

Vom vollen Mond, der funckelnd rückwärts fiel,

War meiner frohen Augen Ziel.

Absonderlich, da bey so heiterm Wetter,

Durch einen Wein-Stock, dessen Blätter

Die Scheiben fast bedecket hatten,

Das Licht noch eins so hell, durch untermischte Schatten,

Gläntzt, blitzt’ und funckelte. Wie ich nun also stand,

Und diesen reinen Glantz recht Wunder-würdig fand;

Setzt’ iemand ungefehr ein brennend Licht

Jm Zimmer vor das Fenster nieder.

O welch ein Wunder-Glantz traff meiner Augen Lieder,

Und fiel nicht nur in mein Gesicht,

Fiel in die Seele selbst hinein!

Des hellen Lichts fast güldner Schein

Drang in das bunte Laub der Neben,

Das, durch den kühlen Herbst, und fenchte Wittrung, eben

Sein bis daher so lieblich Grün,

So gelb als Gold, so roth, als ein Rubin,

Gemahlet und gefärbt. Es ward dadurch zugleich

So schön der Farben Schmuck gebrochen und gemildert,

Daß

Noch seine Farben mischt. Ein Licht-Glantz, welcher strahl

Durch Laubwerck, so auf Tafft gemahlt,

Sieht angenehm, sieht nied-und lieblich aus:

Allein, wie groß ist doch der Unterscheid

Von der Copie zum Urbild! irdisch nur

Sind Farben, so die Kunst gebrauchet; die Natur

Zeigt hier in einem Safft, der wol geläutert, rein,

Des Lichtes selbst gefärbten Schein.

Wie herrlich flammt in einer rothen Glut

Manch, selbst das reinste Schnecken-Blut

Besiegend, und an Glantz weit übertreffend Blat!

Das viele bunte Nachbarn hat,

Die auch, nicht minder schön,

In gleichsam güldnen Flammen stehn.

Durch diese bunte Glut, und Feuer-reiche Pracht

Ward alsobald in meinem Hertzen

Ein Freuden-Feuer angefacht.

Es brennen reiner Andacht Kertzen

Zu dessen Ruhm, der Laub und Licht,

Und, über alles, mein Gesicht

So wunderbar formirt, und mir gegeben.

Ach mögt’ ich doch, zu Seiner Ehr,

In seiner Creaturen Heer,

Sein unausdrücklich Lob ie mehr und mehr,

In der Betrachtungs-Lust, zu mehren, mich bestreben!