Noch eine anmuthige Landschaft üm Hamburg.
Unlängst gab ich dir, mein Leser, die Gefild' und holden Auen,
Die Hammonia bekräntzen, nur von einem Ort, zu schauen:
Nehmlich, so viel man davon, wo mein Garten liegt, er-
Aber glaube darüm nicht, daß vielleicht der Ort allein,
Durch die Hände der Natur, so vortrefflich sey geschmückt,
Daß er den Eliser Feldern fast sey zu vergleichen: Nein!
Es umringen diese Stadt, (die der Himmel segne, stütze,
Mit beständigem Gedeyen überschütte, kröne, schütze)
Viele solche Gegenden, deren Anmuth, Glantz und Pracht
Alle, die sie sehn, nicht nur reitzt, vergnüget und ergetzet;
Sondern, durch gehäufften Schimmer, in ein süß Erstaunen
Denn, man wird, durch ihre Schönheit, allenthalben ange-
Um dir nun, von dieser Wahrheit, eine Probe noch zu
Will ich ietzt noch einen Riß dir zu zeigen, mich bestreben,
Von der Landschaft, deren Lage, Schönheit, Pracht und An-
Auch aus meiner Wohnung sehen, in der Stadt erblicken
Daß man gar in einer Stadt, wo die Aussicht sonst
Solch ein schönes Stück der Welt, solch ein holdes Lust-
Gärten, Wälder, Felder, Wiesen, Berge, Fluß und Inseln
Grosse Schiffe segeln siehet; kommt vielleicht, mein Leser,
Fast unglaublich, fast unmöglich, und zwar nicht mit Un-
Aber es ist doch die Wahrheit, und du sollst es deutlich
Daß ich nichts zu viel gesagt. Denn ich will mich ietzt be-
Nichts zu schmincken, sondern alles nach dem Leben abzu-
Ja was sprech ich doch von schmincken: alles ist so Wun-
Daß man keine Farben findet, die die Schönheit vorzustellen
Herrlich, rein und schön genug, sie nur etwas aufzuhellen.
Meine Wohnung in der Stadt kann, an vieler Pracht,
Und ist mit der Nachbarn Häusern nicht an Höhe zu ver-
Aber wann der Nord-Wind schnaubet, auch die schwühle
Bin ich, durch derselben Höhe, so vor Hitz, als Frost, ge-
Dieses hat mich offt belehret, durch bequeme Sicherheit,
Wann sie aber an den Wall, Gras-Brock und die Elbe
Die, in stiller Majestät, Schiff-reich hier vorüber fliesset;
Oeffnet sich den frohen Augen eine solche offne Weite,
Und man sieht ein Stück der Welt, von so grosser Tieff’ und
Daß die Augen sich daran zwar so bald und leicht nicht satt,
Weil es gar zu herrlich, lieblich, lustig, angenehm und schön,
Aber sich fast müd und matt,
An des flachen Horizonts weit entlegner Ferne sehn.
Erstlich schiessen an den Häusern kleine nette Gärten an,
Die fast keiner, der sie siehet, sonder Anmuth schauen kann:
Weil ein ieder, Anmuths-voll, in besondrer Zierde gläntzet,
In besondrer Ordnung prangt. Alle diese sind begrentzet
Erst durch einen kleinen Graben; dann so gehet in die Quer
Ein besonders langer Garten hinter alle Gärten her,
Und vermehrt derselben Schönheit, und verlängert ihre Zier.
Hieran stösst die Vestung nun: Hamburgs Wunder-
Die selbst schönen Gärten gleichen, sieht man, halb erstan-
In fast nirgend sonst erblickter Zier und Pracht von dieser
Wo ein ieder, nach belieben, gehen, reiten, fahren kann.
Nirgends trifft man solche Freiheit, nirgend solche Schön-
Dieser Wall verdienet wircklich, daß man Bücher von ihm
Welches ich mir vorbehalte, und nur ietzt bey dem ver-
Was uns in die Augen fällt. An des hohen Walles Fuß
Siehet man im grünen Thal, recht als einen breiten Fluß,
Den mit Weiden und mit Hecken rings bekräntzten tieffen
Dessen gleichen wir in Teutschland wenig, ja fast keinen,
Ein polirtes Spiegel-Glas scheint die Silber-reine
Wann sie, frey von Wind und Wellen, zwischen grünen
Oeffters gläntzt sie, als vergüldet, offt verdoppeln sich in ihr
Der bestrahlten Wolcken Farben, und des Firmaments Sa-
Welches, in beblühmten Ufern, in der Landschafft grünen
Eine grosse Schönheit wircket, und den Schmuck gedoppelt
Aber es nicht genug: noch viel andrer Farben Sor-
Mannigfaltigkeit und gläntzen, die man sonst an andern
Nie in einer Landschaft findet, trifft man, mit Verwundrung,
Und fast mit Erstaunen, an, in recht ungemeiner Zier.
Der Gewand-Bereiter Rahmen, wo man Tücher auf-
Die bald roth sind, und bald blau, bald in hellem Purpur
Zeigen von verschiednen Farben einen solchen Unterscheid,
Und von einem bunten Glantz solche Mannigfaltigkeit,
Solche Schönheit, Glantz und Schimmer, sonderlich wann
Durch ihr ausgespannt Gewebe, von der andern Seiten
Daß es schön illuminiret, in gefärbtem Feur zu stehen,
Und fast recht zu glühen scheinet. Dieses feurige Gemische
Der durchstrahlten Farben wircket, durch die nah gelegnen
Die, geziert, sie wieder zieren, unsern Augen solche Lust;
Daß die Seel in unserm Haupt, daß das Hertz in unsrer
Durch den bunten Glantz gerührt, einen Trieb der Andacht
Dem sich danckbar zu erzeigen, Der uns für des Lichtes
Und der schönen Farben prangen, durch das Aug’ empfind-
Da Er, in so weiser Ordnung, bloß auf unsre Lust gezielt.
Noch trifft man in diesen Rahmen, fast, so weit man
Viele Garten-Häuserchen, viele kleine Gärten an,
Wo die Frücht- und andre Bäume manch roth Dächlein
Wann verschiedne hinter andern sich bald halb, bald gantz
Hinter den bebüschten Gärten schiesst, zu neuer Augen-
Die vor andern sonderlich, der berühmte Gras-Brock an,
Der mit vielem Vieh bedeckt, als ein’ allgemeine Weide,
Und worauf ein ieder Pferde, Küh’ und Ochsen treiben kann.
Dieß ist eine breite Fläche, die sich bis zur Elb’ erstrecket,
Die sie offtmals tränckt und netzt. Durch derselben frucht-
Sieht man, wie der fettste Klee, wie ein frisch und feines
In der allerschönsten Farbe, trotz dem grünsten Sammt, ihn
Hie auf diesem schönen Teppich, auf den reich beblühmten
Sieht man Pferd’ und fette Küh’ in so grosser Menge gra-
Daß man sie kaum zehlen kann. Jhre bunt’ und glatte Haut,
Die bald schwartz, bald weiß, bald roth, wenn zumahl der
Sie mit ihrem Abend-Glantz glühend warm, fast feurig,
Und sie wiederscheinlich färben, wird nicht sonder Lust ge-
Höret man, bey hellem wiehern, ein vergnügt Geblöcke
Siehet man die raschen Gäule fröhlich durch einander
Wird man selbst zur Lust bewegt. Durch dieß sanfte Frie-
Wird ein still vernünftig Auge mit Vergnügen gantz er-
An des Gras-Brocks schönem Ufer siehet man, in net-
Und sehr ordentlich gerammt, grosse Pfähl’ in grosser Menge,
Welche man Duc d’ Alben nennt. An denselben siehet
Ebenfalls sehr ordentlich eine Menge Flösser liegen,
Die uns auch des Tages zwar, doch noch mehr des Nachts
Wann die vielen kleinen Feuer, zur Bereitung ihrer Speisen,
Uns, in einem klaren Duncklen, viele Feuer-Wercke weisen,
Die man, wegen ihrer Menge, sonder Lust nicht sehen kann.
Endlich fällt in unser Aug’ ein so schöner Gegenstand,
Der uns neue Freude bringt. Unser Elb-Strohm, dessen
Hier recht prächtig anzusehn, zeiget, in entfernter Weite,
Einen ebenfalls recht lustig-angenehm-bebüschten Strand.
Zwischen beyden holden Ufern, deren Grün die helle Pracht
Und die holde Lieblichkeit von Smaragd fast übergeht,
Ströhmt mit einem sanften Lauff, fliesst in stiller Ma-
Des berühmten Elbe Strohms breit’ und Segens-reiche
Die zu Hamburgs Nutz und Wohlfahrt stets geschäfftig,
Da sie bald von oben her, aus dem Reich, wo sie ent-
Bald von unten aus der See, reich beladne Schiffe bringet:
Da dieselbe, mit der Fluht, bald zurück und Ost- wärts
Bald, mit neu geladnen Wahren, West- wärts sich ins
Wann die sanft bewegte Wellen in der Sonnen Strah-
Siehet man, wie in derselben grosse Inseln gleichsam
Und in grüner Anmuth gläntzen,
Da sie sich mit krausen Büschen, Binsen, Rohr und Bluh-
Wenn wir, wie die glatte Fläche, und wie ihren blauen
Weiß und rothe grosse Segel, Schiffe, wie die Schlösser,
Die, mit Flaggen ausgeziert, mit fast ungezehlten Wahren,
Aufwärts bald, bald abwärts fahren,
Und bald durch die Fluth, bald Ebbe, von- und bald nach
Mit recht Patriotischen, mit vergnügten Blicken, sehn:
Soll man billig Aug’ und Hertz zu dem grossen Geber len-
Und für unsre schöne Lage fleißig dancken, und gedencken,
Daß wir blos durch Seine Gnade, daß wir blos durch Jhn
So gegründet, so gesegnet, und bisher erhalten seyn.