Noch einige Betrachtungen der Blätter.

By Barthold Heinrich Brockes

Da die glatten, saftgen Aeste

Sich so nett, verwirrt und feste

Lieblich in einander schrencken;

Wünschet der vergnügte Blick

Fast nicht wiederum zurück,

Sucht sich tieffer zu versencken.

Denn er glaubt in ihren Gründen,

Zwischen denen glatten Rinden,

Stets ein neues Grün zu finden.

Würcklich wird er auch gewahr,

Wie der grünen Knospen Schaar

Das, womit sie sich erfüllen,

Jhre Blätter, zu enthüllen,

Und das röhtlich braune Grün

Auszuschmücken sich bemühn.

Wenn alsdann, bey heiterm Wetter,

Durch den zarten Leib der Blätter,

Das entwölckte Sonnen-Licht

Hin und wieder lieblich dringt,

Sich mit ihnen gleichsam gattet,

Und durchstrahlet; so entspringt

Ein fast brennend Grün, zumahl

Da, wo selbst der Grund beschattet

Und der Sonnen heller Strahl

Hie und da ein Blatt allein

Trift, verklärt, illuminiret.

Durch den Farben-reichen Schein

Wird im Aug’ ein Hertz gerühret;