Noch einige Herbst-Betrachtungen.
Jm Herbst, bey trüb- und stiller Luft, saß ich an einem Tisch
im Garten,
Betrachtete die sanfte Schönheit der itzt aufs neu gefärbten
Welt,
Beschaute den belaubten Steig, besah das schwarz’ und
grüne Feld,
Bewunderte die holde Mischung der Farben von so vielen
Arten.
Vor andern fiel mir ins Gesicht vom Dorn-Busch eine
grüne Wand,
Die der gerade Steig zertheilte, zur linken und zur rechten
Hand,
Daß jeder eine Laube schien. Recht hinter beyden Wänden
stand
Ein Paar ganz rohter hoher Bäume, die sich, vor ihrer
Blätter Sterben,
In einen Feuer-gleichen Glanz bemühet hatten sie zu färben.
Ein gleiches Paar, nur daß sie klein, stand vor der Hecke,
so daß man
Sie auf derselben dunklen Grund noch heller schimmern
sehen kann.
Es nahmen alle rohte Blätter, es nahm sich jeder Zweig und
Strauß,
Bey dieser dunklen Nachbarschaft der Hecke, gar vortrefflich
aus,
So daß man jedes Blatt fast sah. Noch über dieser Wipfeln
schien,
In einem langen grünen Strich, der höhern Hecke schönes
Grün,
Und unterschiede, dadurch eben, die rohte Schönheit dieser
Blätter,
Von der nicht minder schönen Röhte der hintern Bäume,
die, erhaben,
Der andern schon erwehnten Schönheit ein noch viel schöner
Ansehn gaben.
Weil nun noch hinter diesen rohten noch andre Bäume
sich erhöh'n,
Die sich noch nicht entfärbet haben, und noch im grünen
Schmucke steh'n;
So machte dieser holde Wechsel und Unterscheid von Roht
und Grün,
Da stets ein Absatz nach dem andern von Licht und Dunkel-
heit erschien,
Daß ich mich nicht erinnern konnt’ ein holder Farben-Spiel
gesehn,
Mich mehr daran vergnügt zu haben. Schien dieß nun
gleich von ungefehr
In solchem bunten Schmuck zu stehn; so gab es mir doch ein
Vergnügen,
Und dieses bracht’ mich allgemach, nach meiner Pflicht, auf
das: Woher
Entstehet aller Dinge Schönheit? Wer ist von Far-
ben, Form' und Zügen,
Vom Licht und vom Gesicht der Ursprung? Von wem
stammt aller Schönheit Schein?
Von wem der Mischung Harmonie und Schimmer, als von
Gott allein?