Noch einige Herbst-Betrachtungen.

By Barthold Heinrich Brockes

Jm Herbst, bey trüb- und stiller Luft, saß ich an einem Tisch

im Garten,

Betrachtete die sanfte Schönheit der itzt aufs neu gefärbten

Welt,

Beschaute den belaubten Steig, besah das schwarz’ und

grüne Feld,

Bewunderte die holde Mischung der Farben von so vielen

Arten.

Vor andern fiel mir ins Gesicht vom Dorn-Busch eine

grüne Wand,

Die der gerade Steig zertheilte, zur linken und zur rechten

Hand,

Daß jeder eine Laube schien. Recht hinter beyden Wänden

stand

Ein Paar ganz rohter hoher Bäume, die sich, vor ihrer

Blätter Sterben,

In einen Feuer-gleichen Glanz bemühet hatten sie zu färben.

Ein gleiches Paar, nur daß sie klein, stand vor der Hecke,

so daß man

Sie auf derselben dunklen Grund noch heller schimmern

sehen kann.

Es nahmen alle rohte Blätter, es nahm sich jeder Zweig und

Strauß,

Bey dieser dunklen Nachbarschaft der Hecke, gar vortrefflich

aus,

So daß man jedes Blatt fast sah. Noch über dieser Wipfeln

schien,

In einem langen grünen Strich, der höhern Hecke schönes

Grün,

Und unterschiede, dadurch eben, die rohte Schönheit dieser

Blätter,

Von der nicht minder schönen Röhte der hintern Bäume,

die, erhaben,

Der andern schon erwehnten Schönheit ein noch viel schöner

Ansehn gaben.

Weil nun noch hinter diesen rohten noch andre Bäume

sich erhöh'n,

Die sich noch nicht entfärbet haben, und noch im grünen

Schmucke steh'n;

So machte dieser holde Wechsel und Unterscheid von Roht

und Grün,

Da stets ein Absatz nach dem andern von Licht und Dunkel-

heit erschien,

Daß ich mich nicht erinnern konnt’ ein holder Farben-Spiel

gesehn,

Mich mehr daran vergnügt zu haben. Schien dieß nun

gleich von ungefehr

In solchem bunten Schmuck zu stehn; so gab es mir doch ein

Vergnügen,

Und dieses bracht’ mich allgemach, nach meiner Pflicht, auf

das: Woher

Entstehet aller Dinge Schönheit? Wer ist von Far-

ben, Form' und Zügen,

Vom Licht und vom Gesicht der Ursprung? Von wem

stammt aller Schönheit Schein?

Von wem der Mischung Harmonie und Schimmer, als von

Gott allein?