Noth-Recht deß Todes Bey Beerdigung Hn. L. C. F. den 1. Mar- tii 1674.
Entweyhet denn der Tod auch Themis heilge Stuffen
Und übet ungehem̃t sein grausam Noth-Recht aus?
Heist er für sein Gericht Asträens Priester ruffen
Und schiebt Gebot und Zwang denselben in das Hauß?
So hat die Sterbligkeit wol eiserne Gesetze
Die auch die Tugend nicht durch läutern linder macht;
So sind von Stahl geschmidt der Parcen schwartze Netze
Und Libitina nimmt Frey-Briefe nicht in acht.
Hier hilfft uns keine Frist kein Vorstand macht uns sicher
Kein Ausflucht bringt verschub der Tod verführt sein Recht;
Es gelten vor ihm nicht der Rechts-Gelahrten Bücher
Beweiß und Zeigungen ja Eyde sind zu schlecht.
Sein Urtheil ist gemein und wird so scharff vollzogen
Daß nicht ein eintzig Mensch sich auszuschliessen weiß:
Da wird nicht Kunst noch Witz noch Wissenschafft erwogen
Den Klug- und Thörichten befällt der Todes-Schweiß.
Alleine dieses kan uns noch Vergnügen bringen
Daß der Gerechten Lob und Name nicht vergeht.
Es hebet sie der Ruhm auff seine göldne Schwingen
Wenn in Vergessenheit der andern Leiche steht.
Denn ihre Wercke sind und ruhn in GOttes Segen
Und ihre Wurtzel wird von keinem Sturm bewegt
Jhr Hauß ist wie ein Schloß auff einem Fels gelegen
Und grünen wie ein Zweig der Lebens-Früchte trägt.
Ja ihr Gedächtnüß wird von Frommen stets gepriesen:
Es schallt ihr Lobgesang durch alle Theil der Welt;
Daß sie sich ihrem GOtt gewehr und treu erwiesen
Die Laster hart gestrafft die Boßheit abgestellt.
Daß sie des Rechtens Weg den Armen nie verschrencket
Noch den Unschuldigen in seiner Noth gedrückt;
Daß arme Wäisen sie und Witwen nie gekräncket
Und den Bedrängten offt mit ihrem Rath erquickt.
Herr Friedrich der nunmehr dem Tod dingpflüchtig worden
Asträens grosser Ruhm der Rechte sondre Zier
Wird auch mit Recht gezehlt zu der Gerechten Orden
Und stellet uns zum Trost sein herrlich Beyspiel für.
Erst hat er sich bemüht den HErren zu erkennen
Weil aller Weißheit Füll’ an dem Erkäntnüß liegt
Und die Gottseligkeit ein Kleinod ist zu nennen
Das aller Schätze Werth und Reichthumb überwiegt.
Sein eifrig Christenthum kan unverwerfflich zeugen
In was vor Andacht er den Schöpffer hat geehrt
Mit was für Senfftzen er so durch die Wolcken steigen
Deß Priesters göldnen Mund und Lehren angehört:
Wie lockten ihn nicht an der heilgen Väter Schrifften
Jhm war der Kern und Safft von jeden wolbekand.
Es wird sein eignes Buch ihm ein
Auff das ein herrlich Fleiß und Arbeit ist gewand.
Nachdem er GOttes Recht in Heiligkeit verübet
Hat er der Themis sich von Jugend auff geweyht;
Die Göttin als ein Sohn in solcher Pflicht geliebet
Biß mit dem Lorber-Krantz sie seine Treu erfreut.
Er war im Helicon ein lieber Gast willkommen
Es sah’ ihn Cynthius mit holden Blicken an
Und wie die Musen-Schaar von dieser Post vernommen
Hat sie ihm Ehr und Gunst vortrefflich angethan.
Es blüthe nun sein Ruhm bey den gelehrten Leuten
Als Gottes Schickung ihn noch heilsamer verpflegt
Daß bey der Kriegs-Gefahr und so bedrängten Zeiten
Jhm sie zu Breßlau doch ein Ampt noch beygelegt.
Es zog der Schöppen Stuhl ihn zum geheimen Schreiben
Das Ding-Haus alles Rechts der Thron der Billigkeit
Wo die Gerichte frey in höchster Würde bleiben
Und derer Ursprung noch erhebt die graue Zeit.
Bey den Egyptiern sind Priester stets gewesen
So das hochheilge Recht verwahrt in ihrer Schoß.
Man kan von Druiden der Gallier noch lesen
Und was in Grichen-Land Areopagus schloß.
Der alten Teutschen Kühr ließ sie Cent-Grafen heissen
Wenn sie mit blossem Schwerd die Richter-Banck besetzt;
Der muste Schöppenbahr an reiner Tugend gleissen
So zu dem Richter-Ampt vor gültig war geschätzt.
So übten ihr alt Recht die Francken und die Sachsen
So zwar der Einfalt Zier zur ersten Mutter hat;
Biß daß die Schöppen-Stühl in vollem Flor gewachsen
Und nun Oraculn gleich den Fragern geben Rath.
Hier hat
Daß man ihn Schöppenbahr-frey billich nennen kan.
Sein Lob der Redligkeit wird nimmermehr veralten
Der Nachruhm meldet es den göldnen Sternen an.
Er hat die dreyssig Jahr viel Urtheil abgefasset
Viel Fristen anberaumbt und Tagefarth bestimmt:
Nun kriegt er den Bescheid daß er darob erblasset
Weil auß gehegtem Ding deß Todes Grimm ihn nimmt.
Doch wol
Schreibt dir des Himmels Recht und gantzes Erbtheil zu.
Wir ehren deinen Ruhm und folgen deiner Leichen
Wenn durch sein Noth-Recht uns der Tod bringt zu der Ruh
Dich hat deß HErren Hülff in ein solch Haus gewiesen
Wo der Gerechten Fried und Freude völlig blüth.
Du siehst kein Elend-Recht noch Eyd-Schwur wie vor diesen
Bist umb kein Urtheil mehr zum kleinen Ding bemüht.
Auch das Blut-Urtheil ist vom Heyland schon ertragen
Und machet ewig dich des Todes Urthels frey.
Die Engel werden dir als reine Zeugen sagen
Wie alle Schuld gebüst das Heil erworben sey.
Betrübtste die ihr jetzt deß Vatern Asche netzet
Wehmüthigst seinen Tod auß Kinder-Pflicht beklagt:
Erwegt den Wechsel nur wiewol er ist verletzet
Nun ihn vor sein Gericht der Höchste GOtt betagt.
Wer die Gerechtigkeit so als wie er geliebet
Der nimmt den Preiß hinweg die unverwelckte Kron.
Und ob sein Noth-Recht schon der Tod an ihm verübet
So bleibt der Nach-Ruhm doch ein schöner Ehren-Lohn.