Noth-Recht deß Todes Bey Beerdigung Hn. L. C. F. den 1. Mar- tii 1674.

By Heinrich Mühlpfort

Entweyhet denn der Tod auch Themis heilge Stuffen

Und übet ungehem̃t sein grausam Noth-Recht aus?

Heist er für sein Gericht Asträens Priester ruffen

Und schiebt Gebot und Zwang denselben in das Hauß?

So hat die Sterbligkeit wol eiserne Gesetze

Die auch die Tugend nicht durch läutern linder macht;

So sind von Stahl geschmidt der Parcen schwartze Netze

Und Libitina nimmt Frey-Briefe nicht in acht.

Hier hilfft uns keine Frist kein Vorstand macht uns sicher

Kein Ausflucht bringt verschub der Tod verführt sein Recht;

Es gelten vor ihm nicht der Rechts-Gelahrten Bücher

Beweiß und Zeigungen ja Eyde sind zu schlecht.

Sein Urtheil ist gemein und wird so scharff vollzogen

Daß nicht ein eintzig Mensch sich auszuschliessen weiß:

Da wird nicht Kunst noch Witz noch Wissenschafft erwogen

Den Klug- und Thörichten befällt der Todes-Schweiß.

Alleine dieses kan uns noch Vergnügen bringen

Daß der Gerechten Lob und Name nicht vergeht.

Es hebet sie der Ruhm auff seine göldne Schwingen

Wenn in Vergessenheit der andern Leiche steht.

Denn ihre Wercke sind und ruhn in GOttes Segen

Und ihre Wurtzel wird von keinem Sturm bewegt

Jhr Hauß ist wie ein Schloß auff einem Fels gelegen

Und grünen wie ein Zweig der Lebens-Früchte trägt.

Ja ihr Gedächtnüß wird von Frommen stets gepriesen:

Es schallt ihr Lobgesang durch alle Theil der Welt;

Daß sie sich ihrem GOtt gewehr und treu erwiesen

Die Laster hart gestrafft die Boßheit abgestellt.

Daß sie des Rechtens Weg den Armen nie verschrencket

Noch den Unschuldigen in seiner Noth gedrückt;

Daß arme Wäisen sie und Witwen nie gekräncket

Und den Bedrängten offt mit ihrem Rath erquickt.

Herr Friedrich der nunmehr dem Tod dingpflüchtig worden

Asträens grosser Ruhm der Rechte sondre Zier

Wird auch mit Recht gezehlt zu der Gerechten Orden

Und stellet uns zum Trost sein herrlich Beyspiel für.

Erst hat er sich bemüht den HErren zu erkennen

Weil aller Weißheit Füll’ an dem Erkäntnüß liegt

Und die Gottseligkeit ein Kleinod ist zu nennen

Das aller Schätze Werth und Reichthumb überwiegt.

Sein eifrig Christenthum kan unverwerfflich zeugen

In was vor Andacht er den Schöpffer hat geehrt

Mit was für Senfftzen er so durch die Wolcken steigen

Deß Priesters göldnen Mund und Lehren angehört:

Wie lockten ihn nicht an der heilgen Väter Schrifften

Jhm war der Kern und Safft von jeden wolbekand.

Es wird sein eignes Buch ihm ein

Auff das ein herrlich Fleiß und Arbeit ist gewand.

Nachdem er GOttes Recht in Heiligkeit verübet

Hat er der Themis sich von Jugend auff geweyht;

Die Göttin als ein Sohn in solcher Pflicht geliebet

Biß mit dem Lorber-Krantz sie seine Treu erfreut.

Er war im Helicon ein lieber Gast willkommen

Es sah’ ihn Cynthius mit holden Blicken an

Und wie die Musen-Schaar von dieser Post vernommen

Hat sie ihm Ehr und Gunst vortrefflich angethan.

Es blüthe nun sein Ruhm bey den gelehrten Leuten

Als Gottes Schickung ihn noch heilsamer verpflegt

Daß bey der Kriegs-Gefahr und so bedrängten Zeiten

Jhm sie zu Breßlau doch ein Ampt noch beygelegt.

Es zog der Schöppen Stuhl ihn zum geheimen Schreiben

Das Ding-Haus alles Rechts der Thron der Billigkeit

Wo die Gerichte frey in höchster Würde bleiben

Und derer Ursprung noch erhebt die graue Zeit.

Bey den Egyptiern sind Priester stets gewesen

So das hochheilge Recht verwahrt in ihrer Schoß.

Man kan von Druiden der Gallier noch lesen

Und was in Grichen-Land Areopagus schloß.

Der alten Teutschen Kühr ließ sie Cent-Grafen heissen

Wenn sie mit blossem Schwerd die Richter-Banck besetzt;

Der muste Schöppenbahr an reiner Tugend gleissen

So zu dem Richter-Ampt vor gültig war geschätzt.

So übten ihr alt Recht die Francken und die Sachsen

So zwar der Einfalt Zier zur ersten Mutter hat;

Biß daß die Schöppen-Stühl in vollem Flor gewachsen

Und nun Oraculn gleich den Fragern geben Rath.

Hier hat

Daß man ihn Schöppenbahr-frey billich nennen kan.

Sein Lob der Redligkeit wird nimmermehr veralten

Der Nachruhm meldet es den göldnen Sternen an.

Er hat die dreyssig Jahr viel Urtheil abgefasset

Viel Fristen anberaumbt und Tagefarth bestimmt:

Nun kriegt er den Bescheid daß er darob erblasset

Weil auß gehegtem Ding deß Todes Grimm ihn nimmt.

Doch wol

Schreibt dir des Himmels Recht und gantzes Erbtheil zu.

Wir ehren deinen Ruhm und folgen deiner Leichen

Wenn durch sein Noth-Recht uns der Tod bringt zu der Ruh

Dich hat deß HErren Hülff in ein solch Haus gewiesen

Wo der Gerechten Fried und Freude völlig blüth.

Du siehst kein Elend-Recht noch Eyd-Schwur wie vor diesen

Bist umb kein Urtheil mehr zum kleinen Ding bemüht.

Auch das Blut-Urtheil ist vom Heyland schon ertragen

Und machet ewig dich des Todes Urthels frey.

Die Engel werden dir als reine Zeugen sagen

Wie alle Schuld gebüst das Heil erworben sey.

Betrübtste die ihr jetzt deß Vatern Asche netzet

Wehmüthigst seinen Tod auß Kinder-Pflicht beklagt:

Erwegt den Wechsel nur wiewol er ist verletzet

Nun ihn vor sein Gericht der Höchste GOtt betagt.

Wer die Gerechtigkeit so als wie er geliebet

Der nimmt den Preiß hinweg die unverwelckte Kron.

Und ob sein Noth-Recht schon der Tod an ihm verübet

So bleibt der Nach-Ruhm doch ein schöner Ehren-Lohn.