Nothwendigkeit die gegenwärtige Zeit, und das Gute, so wir darin besitzen, zu er...

By Barthold Heinrich Brockes

Wie unglückseelig sind wir Menschen, und zwar da-

durch fast blos allein,

Daß wir für das besessne Gute, unbillig, unempfindlich seyn!

Die grösten Schätze, die wir haben, sind, wie wir ja

gestehen müssen,

Gesundheit, Güter, gut Gerüchte, Bequemlichkeit und

gut Gewissen;

Doch wird uns leider ihr Genuß blos durch Gewohnheit

so entrissen,

Daß, da wir nicht daran gedencken, uns der Besitz gantz

unbewust

Und wir sie leider gar nicht fühlen, als in derselbigen

Verlust.

Die Ursach ist leicht zu ergründen: Wir sind vom Schö-

pfer so gemacht,

Daß des Genusses bester Theil in anders nichts besteht, als

Dencken;

Doch wir bemüh’n uns leider nicht, der Seelen Kraft

darauf zu lencken,

Wodurch zugleich der Danck verschwindet. Da dieses

nun unstreitig wahr,

So wird zugleich der gantze Fehler durch solche Wahr-

heit offenbahr.