[NUn des sommers lust-gewinn]
Written 1691-01-01 - 1691-01-01
NUn des sommers lust-gewinn
Gäntzlich hin;
Nun die grünen kräuter sterben
Und die blumen haupt und blat und den stock entfärben
So kan und soll doch deiner liebe schein
Amöna stets mir meine sonne seyn.
Dein beblümtes angesicht
Welcket nicht
Deiner zarten wangen felder
Schliessen grössre lust in sich als die schönsten wälder
Der purpur der aus deinen lippen bricht
Vergleichet sich der vollen rosen licht.
Lasse meinen geist darauff
Seinen lauff
Nach der kräuter artzney richten.
Lehre meinen unverstand daß von deinen früchten
Man auch im frost was frisches sammlen ein
Und immer kan ein reicher schnitter seyn.
Wenn der west-wind deinen werth
Nicht verzehrt
Wenn er deine berge rühret
Davon weder du noch er eintzig labsal spüret;
So gönne daß der ich es mehr versteh
Darinnen etwas frey spatzieren geh.
Dir ist mehr als wohl bewust
Meine lust
Die ich zu den blumen habe.
Weil sie nun der rauhe herbst itzund trägt zu grabe
So bleibest du mein kastbar blumen-feld
Das unter sturm und eiß stets farbe hält.
Führe mich wohin du wilt
Engel-bild!
Bald in thäler bald auff höhen;
Meine demuth soll dir stets zu gebote stehen.
Der anmuth-lentz blüht überall bey dir
Und ieder ort giebt göldne äpffel mir.
Ich will eine biene seyn
Die allein
Deinen honig sich erwehlet
Und mit keinem stachel nicht deine rosen qvälet.
Nicht wehre meinem mund den zucker-safft
Der dir nichts nimmt und mir vergnügen schafft.