[Nun hab ich überwunden]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Nun hab ich überwunden

Durch Christi theures Blutt

Und in dem Himmel funden

Das allerhöchste Gutt.

Ich gebe dieser Erden

Mit Freuden gutte Nacht

Die mir so viel Beschwerden

Und wenig Lust gemacht.

Mein Glaub hat überstiegen

Den Berg der schweren Zeit

Sieht ihm zu Füssen liegen

Das Thal der Eitelkeit.

Ich lege freudig nieder

Der Hoffnung Wander-Stab

Die Last der siechen Glieder

Verwahrt das kühle Grab.

Viel lassen sich verblenden

Der falschen Hoheit Schein

Und wollen auff den Händen

Der Welt getragen seyn.

Ein sanffter Engel-Wagen

Führt mich vor Gottes Thron

Da werd ich ewig tragen

Die Siegs- und Ehren-Kron.

Es stehn ihr viel nach Schätzen

Der theure Schlacken-Koth

Soll ihre Seel ergötzen

Sie wehlen Gold für Gott.

Was Zeit und Dieb nicht stehlen

Was nirgend findet Platz

Was keine Zahl kan zehlen

Gott selber ist mein Schatz.

Wohnt ihr in stoltzen Zimmern

Schmückt sie mit Marmor aus

Last auff der Erde schimmern

Ein andres Himmel-Hauß.

Mein Schloß hat Gott gebauet

Wo man vor Stein Saphir

Vor Fenster Sternen schauet

Wo Licht ist für und für.

Man dienet seinem Leibe

Mit schwer-erworbner Kost

Sucht wie man Zeit vertreibe

In offt vergällter Luft:

Hier darff ich nicht mehr wissen

Was Sorg' und Hunger war

Kan mir die Zeit versüssen

Mit aller Engel Schaar.

Viel wolln den Himmel finden

Durch unermüdten Fleiß

Und suchen zu ergründen

Was Gott alleine weiß:

Ich kan mich höher schwingen

Durch Jesus Mund gelehrt

Und weiß von solchen Dingen

Die noch kein Ohr gehört.

Darum ihr Eitelkeiten

Lust Wissen Schätze Pracht

Ihr Freude meiner Zeiten

Ihr Freunde gutte Nacht!

Und gutte Nacht ihr Glieder

Schlafft wohl in stiller Grufft

Wir sehn uns freudig wieder

Wenn Gottes Stimme rufft.