Nun sei getrost und unbetrübt

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Nun sei getrost und unbetrübt,

Du mein Geist und Gemüte!

Dein Jesus lebt, der dich geliebt

Eh, als dir dein Geblüte

Und Fleisch und Haut ward zugericht;

Der wird dich auch gewißlich nicht

An deinem Ende hassen.

Erschrecke nicht vor deinem End,

Es ist nichts Böses drinnen;

Dein lieber Herr streckt seine Händ

Und fordert dich von hinnen

Aus soviel tausend Angst und Qual,

Die du in diesem Jammertal

Bisher hast ausgestanden.

Zwar heißts ja Tod und Sterbensnot,

Doch ist da gar kein Sterben;

Denn Jesus ist des Todes Tod

Und nimmt ihm das Verderben,

Daß alle seine Stärk und Kraft

Mir, wenn ich jetzt werd hingerafft,

Nicht auf ein Härlein schade.

Des Todes Kraft steht in der Sünd

Und schnöden Missetaten,

Darin ich armes Adamskind

So oft und viel geraten;

Nun ist die Sünd in Jesu Blut

Ersäuft, erstickt, getilgt und tut

Fort gar nichts mehr zur Sachen.

Die Sünd ist hin und ich bin rein;

Trotz dem, der mir das nehme!

Hinfüro ist das Leben mein,

Darf nicht, daß ich mich gräme

Um einger Sünden Lohn und Sold;

Wer ausgesöhnt, dem ist man hold

Und tut ihm nichts zuwider.

Ei nun, so nehm ich Gottes Gnad

Und alle seine Freude

Mit mir auf meinen letzten Pfad

Und weiß von keinem Leide.

Der wilde Feind muß nur ein Schaf,

Sein Ungestüm ein süßer Schlaf

Und sanfte Ruhe werden.

Du Jesu, allerliebster Freund,

Bist selbst mein Licht und Leben:

Du hältst mich fest, und kann kein Feind

Dich, wo du stehest, heben.

In dir steh ich, und du in mir;

Und wie wir stehn, so bleiben wir

Hier und dort ungeschieden.

Mein Leib, der legt sich hin zur Ruh,

Als der fast müde worden;

Die Seele fährt dem Himmel zu

Und mischt sich in den Orden

Der auserwählten Gottesschar

Und hält das ewge Jubeljahr

Mit allen heilgen Engeln.

Kommt dann der Tag, o höchster Fürst

Der Kleinen und der Großen,

Da du zum allerletzten wirst

In die Posaunen stoßen,

So soll denn Seel und Leib zugleich

Mit dir in deines Vaters Reich

Zu deiner Freud eingehen.

Ists nun dein Will, so stell dich ein,

Mich selig zu versetzen.

Ach, ewig bei und mit dir sein,

Wie hoch muß das ergötzen!

Eröffne dich, du Todespfort,

Auf daß an solchen schönen Ort

Ich durch dich möge fahren!