[Nun werff ich ab das Joch der stillen Einsamkeit]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Nun werff ich ab das Joch der stillen Einsamkeit

Und suche mehr vergnügt zu schlüssen meine Zeit;

Der falschen Freyheit Schein

Soll über meine Sinnen

Die selber herrschen können

Nicht mehr Tyranne seyn.

Wer unverehligt lebt nennt sein Gemütte frey:

Urtheilet wer von uns doch mehr gebunden sey!

Mich hat mein freyer Schluß

Zu einer Wahl verbunden

Um die er alle Stunden

In Sorgen stehen muß.

Was er verlieren will hebt er mit Sorgen auff

Erwartet offtermahls dafür den schlechtsten Kauff:

Er weiß nicht was er kriegt

Denckt iedes sey das Seine;

Ich habe schon das Meine

Und bin damit vergnügt.

Jedweder Gegenstand ist seiner Liebe Ziel

Er muß ein Sclave seyn wo er nicht herrschen will:

Ich lebe wo ich lieb

Und liebe wo ich lebe;

Was ich empfang und gebe

Ist freyer Sinnen Trieb.

Die Augen aller Welt sind auff ihn zugericht;

Seht wie ihm jederman ein scharffes Untheil spricht.

Bald lebet er zu frey

Bald will man übel deuten

Daß er zu stoltz bey Leuten

Zu blöd und traurig sey.

Was bringt ihm nicht für Furcht der heißen Liebe Macht

Wenn manch Lieb-reitzend Blick nach seiner Freyheit tracht

Wenn manche Venus ihn

An der ihm nichts gelegen

Auff unbekandten Wegen

Will in ihr Netze ziehn!

Löscht wohl der Seelen Brand ein abgestohlner Kuß

Wenn man für Augen sieht der andern Uberfluß

Wenn andre nehmen ein

Mit ungezählten Zahlen

Was uns zu vielen mahlen

Muß abgeschlagen seyn?

Der Ehre Rauch verfliegt ein Zufall raubt das Gutt

Die Wissenschafft verführt das Alter schwächt den Mutt

Der Freundschafft Glutt wird Eyß

Darvon man offt die Asche

Bey ausgeleerter Tasche

Nicht mehr zu finden weiß.

Was reine Brunst verknüpfft das bleibt unauffgelöst

Durch dieses werden wir erfreuet und getröst:

Getreue Liebe steht

Wenn wir von hinnen müssen

Und unter unsern Füssen

Die Welt zu Drümmern geht.

Drum sag ich gutte Nacht der bangen Einsamkeit

Und suche mehr vergnügt zu schlüssen meine Zeit

Der Freyheit danck ich ab

Und will sie izt verschlüssen

In dieser sanfften Küssen

Gewünschtes Feder-Grab.

Ihr Nimphen lebet wohl und denckt nicht mehr an mich!

Wem gutts zu rathen steht der mach es so wie ich!

Du angenehmer Tod

Der Freyheit sey willkommen!

Wer dich in Arm genommen

Empfindet keine Noth.