O. F. v. G.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Aber ihr verliebten ihr

Last die tugend euch für allen

Nicht des leibes eitle zier

Nicht die wollust wohlgefallen

Last die tugend bloß allein

Eures hertzens endzweck seyn.

Schönheit die uns haute ziert

Wird vor morgen hingerissen

Wenn die einmahl sich verliehrt

Muß sie allen glantz vermissen

Und die abgewelckte pracht

Wird von aller welt verlacht.

Nur die tugend wird allein

Nach dem tode nicht vergessen

Jhrer gaben hoher schein

Wird durch keine zeit gefressen;

Ist sie gleich auch noch so alt

Wird sie doch nicht ungestalt.

Frommer himmel laß mich doch

Dieses grosse glück erleben:

Wenn ich soll dem liebes-joch

Meine sinnen untergeben

So beschere mir ein kind

Das die tugend lieb gewinnt.

Wiltu mir nun über dem

Eine schöne zugesellen

Ist mirs gleichfals angenehm;

Nur ich will in allen fällen

Deiner obsicht nur allein

Himmel unterworffen seyn.