O Sonne

By Theodor Däubler

Written 1900-01-01 - 1900-01-01

O birg in kühnem Leben Sonnenstunden,

Dein Wesen bleib um Wonne hold in Sorgen;

Die Sonne schenkt sich fordernd: borg zu borgen,

Laß eignen Überschwang durch Gold umrunden!

Wie froh gekühlte Sommermonde munden!

In Weinesröte loht ein stolzer Morgen

Der ewigen Erwachtheit traut geborgen:

Sein Tag in uns singt alte Sonnenkunden.

O Sonne, meine Seele sei ein Garten,

Berühre sacht der Triebe zartes Sprühen:

Ein Mensch ist lenzgewohnt, weil voll Erwarten!

O Sonne, weil behutsam um mein Mühen:

Wir fühlen freudig ferne Feuerfahrten,

Die, fruchtbar durch den Geist, für dich erglühen!