Ode von der Vergnügung

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Kommt ihr gewünschten Himmels Blicke

Und macht in meinem Hertzen licht

Daß ich dahin die Sinnen schicke

Was mir Vergnüglichkeit verspricht.

Führt meinen Geist zuerst auf Zions Auen

Er wird die Welt hernach in Frieden schauen.

Kein Schatz ist unter allen Schätzen

Der ausser Gott vollkommner sey

Als den Begierden Gräntzen setzen.

Wer von des Willens Herrschafft frey

Wer sich besiegt mit allen lebt zufrieden

Dem ist ein Glück vor Seel und Leib beschieden.

Das kleine Gut vergnügter Hertzen

Ist grösser als ein Königreich.

Mich machen Sorgen Neid und Schmertzen

In diesem Stande niemahls bleich.

Wer mäßig lebt wird viel gesunder leben

Und wer es weiß nach keinem Reichthum streben.

Die nach der Ehre Felsen klettern

Die steigen auf der Thorheit Bahn.

Ein Fall wird ihren Stoltz zerschmettern;

Wo nicht so stürtzet sie ihr Wahn.

Ich bin vergnügt mich diesen gleich zu schwingen

Wo Tugenden und Weißheit Früchte bringen.

Ich brauche nichts nach meinem Sterben

Als einen Sarg ein kühles Grab.

Drum kürtz ich mir viel zu erwerben

Aus Geldsucht nicht das Leben ab.

Ich bin vergnügt und warte meiner Sachen

Das übrige wird schon der Himmel machen.

Soll ich mir ein Ergetzen wehlen

So sey es mäßig rein und gut.

Zuviele Lust verderbt die Seelen

Gar keine schwächet unsern Muth.

Ich bin vergnügt so mein Gemüht zu laben

Um neue Krafft zur Arbeit drauf zu haben.

Ein Freund ist meinen Neben-Stunden

Wie ein beliebtes Säyten-Spiel.

Die schlimmen sind der Seelen Wunden.

Wie Abner durch den Joab siel:

So kan ein Freund der in der Laster Orden

Wo nicht den Leib doch mein Gemüth ermorden.

Nach Nothdurft leb' ich zwar mit allen

Am liebsten mit der klugen Welt.

Dem Nechsten bin ich zu gefallen

Und leiste was mir möglich fällt.

Vergnügt wer hier in keinen Schulden stecket

Und in der Brust die wahre Liebe schmecket.

Drum will ich von Vergnügung sagen

Sie ist das beste dieser Zeit.

Kein Leid soll sie darnieder schlagen:

Erleb' ich gleich Trübseligkeit

Bin ich vergnügt weil wir auf dieser Erden.

Vollkommen nicht vergnüget sollen werden.