Ode Von deß Todes gewißheit vnd der Tu- gentvnsterblichkeit.
By Martin Opitz
Mann findet nichts vollkommen in der Welt
Wir Menschen sein mit sorgen pein vnd plagen
All orch vnd Zeit in Stätten auff dem Feldt
Vom Himmel Lufft Meer vnd vns selbst geschlagen:
Ja auch der Götter Macht
Hat jhr Wohnung vollkommen
Vnd Seelig nit gemacht.
Wer hat nicht wargenommen
Wie Sonn vnd Mon gemein
Verfinstern jhren schein?
Vnd wie deß Himmels Zeichen
Offt Mangelhafft verbleichen?
Mit wie vil angst gefahren müh vnd noth
Sein ohn ablaß wir Menschen vmbgegeben?
Diese mit List man vbergibt dem Todt
Jener Hertzhafft verkrieget selbst sein Leben
Dieser auß vil verdruß
Vnd trawren wil verderben
Jener erbermlich muß
In der Gefängnis sterben
Etlich dürstig nach Gut
Fliehen vor der Armuth
Vnd jhren Geitz versincken
Wann sie im Meer ertrincken.
Diese mit Wasser Gifft Schwert oder Strick
Selbst vber sich ein schrecklich Vrthel sprechen
Vnd rettend sich von zu schwerem vnglück
Zweifflen sie nicht sich wieder sich zu rechen.
Jene kommend mit zwang
In dieses lebens leiden
Finden gleich den außgang
Vnd andre müh vermeiden
Oder sich in jhr Grab
Ehe sie einige Gaab
Deß Tags Seelig genießen
In Mutter Leib beschließen.
Der Todt gewiß klopffet mit einem Bein
An grosser Herrn Wolckentragende Schlösser
Vnd armer Leut liegende Hüttelein
Vnd ist für beed weder böser noch besser.
Den Leib ein Tod allein
Mit vnheilbaren plagen
Vnentfliehlicher pein
Vnd vndienstlichen klagen
Engstiget Tag vnd Nacht
Vnd die Seel wird gebracht
Vor
Mehr pfleget anzusehen.
Der Weg ist breit in das finstere Hauß
Offen die Thür daß man hinein stehts gehet
Aber wiedrumb zu entrinnen darauß
Hierauff das Werck hierauff die Müh bestehet
Der Tugent Weg ist schmahl
Mit Dornen wohl verschlossen
Gering ist die anzahl
Deren die vnverdrossen
Vnd durch der Götter gunst
Vnd der Tugent inbrunst
Von dem Pöffel entzogen
Zu dem Gestirn geflogen.
Der deß Hertz mit Tugent gewaffnet ist
Gleich wie Potzheim dein Edles hertz zusehen
Der kan deß Glücks zorn Wanckelmuth vnd List
Vest wie ein Felß vnzaghafft wiederstehen:
Er ist allzeit forchtloß
Vor dem Strahl vnverblichen
Weißheit macht sein Hertz groß
Stets sigreich vnverglichen
Er der für seinen Lohn
Sucht der Seeligkeit Kron
Vnd sich selbst vberlebet.