Ode: Weltskribenten und Poeten

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Weltskribenten und Poeten

Haben ihren Glanz und Schein,

Mögen auch zu lesen sein,

Wenn wir leben außer Nöten;

In dem Unglück, Kreuz und Übel

Ist nichts Bessers als die Bibel.

Cato deuchte sich zu stellen

In der Angst mit Plato Buch,

Aber Gottes Zorn und Fluch

Drückt ihn gleichwohl bis zur Höllen;

Sein verirrter blinder Sinn

Ging und wußte nicht wohin.

Was Homerus hat gesungen

Und des Maro hoher Geist,

Wird gerühmet und gepreist

Und hat alle Welt durchdrungen;

Aber wenn der Tod uns trifft,

Was hilft da Homerus' Schrift?

Gottes Wort, das ists vor allen,

So uns, wenn des Herz erschrickt,

Wie ein kühler Tau erquickt,

Daß wir nicht zu Boden fallen.

Wenn die ganze Welt verzagt,

Steht und siegt, was Gott gesagt.

Wenn die Scharen aller Teufel

Sich empören und bemühn,

Dich von Christo abzuziehn

Und zu stürzen in den Zweifel,

Und du sprichst nur: So spricht Gott!

Werden sie zu Schand und Spott.

Darum liebt, ihr lieben Herzen,

Gottes Schriften, die gewiß

In der Herzensfinsternis

Besser sind als alle Kerzen;

Hier sind Strahlen, hier ist Licht,

Das durch alles Herzleid bricht.

Unser Schirmer wirds euch lehren,

Wenn ihr, was sein heilger Fleiß

Ihm zum Trost und Gott zum Preis

Hier gesetzet, werdet hören.

Lobt das Werk und liebt den Mann,

Der das gute Werk getan.