Oratorium aus dem 37. Psalm

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Sey zufrieden meine Seele

Laß es Bösen glücklich gehn

Biß sie ihr Verderben sehn.

Wer nichts wünschet hat genug

Und so bin ich seelig klug

Wenn ich diesen Reichthum wehle:

Sey zufrieden meine Seele.

Auf wen hab ich bißher gehofft?

Ach Himmel straffe mich doch nicht

Daß ich so sündlich und so offt

Die Hoffnung nicht zu dir gericht

Und da von dir sie soll alleine kommen

Ich Menschen mir zum Gott im Hoffen angenommen.

In Gottes Gnaden Meer allein

Senck ich den Hoffnungs-Ancker ein.

Ich will in seinen Wegen gehen.

Gott gieb mir Brod das nicht beschwert;

Ein Fisch muß sein Verderben sehen

Der sich vom Wollust Reder nehrt.

In Gottes Gnaden Meer allein

Senck ich den Hofnungs-Ancker ein.

Wie? meine Lust an Gott

Wer ist denn der? die allerhöchste Lust

Die eintzge Qvell' aus der in unsre Brust

Ein über irdisches Vergnügen fliesset

Ein Strom von Canaan der sich in uns ergiesset.

Wie meine Lust an Gott?

Ach ohne dem ist Freude Lust Ergetzen

Schmertz Jammer Angst ja ein verfluchter Todt.

Wie Seele wilst du auf den Herrn

Nun deine Lust allein und ewig setzen?

Ach ja wie seelig und wie gern.

Mein Hertze wünscht was ihm der Herr kan geben;

Nur was Gott will und was Gott sügt

Und lieber arm in sich vergnügt

Als reich allhier und dort unselig leben.

Ich will auf den Himmel hoffen

Ihm sey alles heimgestellt;

Mir beliebt was Gott gefällt.

Weil er frommen Kindern offen

Will ich auf den Himmel hoffen.

Wohin sind schon so viele Grossen kommen?

Wohin? daß von der Herrligkeit

Nicht mehr ein Staub? Wohin hat längst die Zeit

Die grösten Schönen mitgenommen

Die sich der Wollust nur geweyht?

Sie sind hinweg wohin? das Gott erbarm!

Ach stirbt man redlich arm

So darf man doch den Ort

Wohin man kömmt nicht mit entsetzen nennen.

Du Welt-Kind fährst du fort

Vom Himmel ab in Sünden-Pfuhl zu rennen?

Ach über funfzig Jahr

So weiß kein Mensch wo deine Stäte war.

So bist du auch den Weg der Welt gegangen?

Wohin? da tragt kein Mensch verlangen

Kein Sterblicher fragt drum

Nur Gott schlägt das Register um

Und fragt nach deinem Leben

Wohl! wenn du Rechenschafft kanst geben.

Flieht ihr nichtigen Gedancken.

Bleibt ihr Sinnen in den Schrancken

Dencket daß ich sterben muß.

Seele wehre dich der Sünden.

Wilst du mich im Himmel finden

Gib der Welt den Abschieds-Kuß.

Ein Frommer schlief ein Böser schlief darneben:

Dem ersten sprach die angenehmste Ruh

Dem andern Phantasien zu

Die ihm der viele Wein gegeben.

Ihm daucht als ob sich alle Pracht von Schätzen

Und alle Schönheit vom Ergetzen

Zu seinen Füssen hingestellt.

Des Frommen Sinn war nicht auf dieser Welt

Und hieng im Schlaf allein an künfftgen Sachen.

Der Himmel rief: die Zeit ist zum erwachen.

Sie stunden mit einander auf.

Ach sprach der Bös' und reiche drauf:

Lust Schätze Pracht wo seyd ihr hingekommen?

Der Himmel sprach: es muß getheilet seyn

Bey dir stellt sichs im Träumen ein

Und im Erwachen bey dem Frommen.

Laß mich Herr vergnügsam leben

Und mein Hertz in Freuden schweben

Wenn du mir auch wenig giebst.

Ungerechtes Gut macht Qvälen

Doch die gröste Lust der Seelen

Ist mein Gott wenn du mich liebst.

Sey du meiner Augen Weide

Wenn ich allen Mangel leide

Fülle du mein Hertz durch dich.

Nirgends hab ich welche Felder.

Nun mein Gut und meine Gelder

Schließt der Himmel nur in sich.

Der Sternen Gold ist schön und klar

Doch güldner ist ein graues Harr

Das man mit Ehren träget.

Der wenigste hat Cron und Thron

Doch grauen Haar hat Salomon

Die Crone beygeleget.

Sorgst du des Abends und am Morgen

Vor dich und vor dein Kind?

Ein Heyde muß so sorgen

Der in der Allmacht Gottes blind.

Sey ehrlich fromm und schlecht

Kurtz: sey gerecht.

Und sorge nur so schön

Wie Gott vor dich allein in Sorgen möge siehn.

So lange Gott warhafftig ist

Und seine Wunder nicht vergißt

Darf kein Gerechter leiden.

Sein Saame baut hernach das Land.

Das Kind aus frommer Eltern Hand

Will selbst der Himmel weiden.

Von Bösen ab! ach gern doch wie?

Brich die Gedancken ändre sie.

Mein Hertz und die Natur will nicht:

So höre denn daß Gott dein Urtheil spricht.

Ach Gott ist gnädig. Und gerecht

So bin ich ein verworfner Knecht.

Wodurch? Ach Gott ists offenbahr.

Laß ab und thue Gütes

So bleibst du immerdar.

Ach wird sich Gott auch mein erbarmen?

O ja nur festen Muhtes

Nur geh und fall in seine Vater Armen.

Ihr Thränen fliesset mildiglich

Und ruft Gott: erbarme dich.

Hilff Herr daß ich das Böse fliehe

Daß mich des Nechstens Liebe ziehe

Ja daß mein Geist was gutes übt.

Kan ihm nicht viel von mir geschehen

So laß ihn mein Gemüthe sehen

Das Gott ihn und die Tugend liebt.

Der Welt ihr eusserliches Prangen

Hat tausend Seelen schon gefangen

Unglücklich ist es böse seyn.

Die Angst hat hier ein üppigs Leben

Wie Dornen eine Ros' umgeben

Im Tode folgt die Höllen-Pein.

Ihr Bösen mögt von aussen grünen.

Ich will hinfort dem Himmel dienen

In Gott kan man vollkommen ruhn.

Den Spiegel zeigt mir stets die Tugend:

Reich arm das Alter mit der Jugend

Muß sterben und denn Rechnung thun.