Orpheus Hymne an den Mond .

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Höre mich, Königin, Göttin, du freundliche

Schöne des Himmels,

Luftdurchwandlerin, Dunkelerleuchterin, Sterne-

regentin,

Nimmerermüdende Pilgerin, nimmer verlöschende

Fackel,

Ewig neugeboren, und ewig alternd und sterbend,

Männliche, Fräuliche, Glänzende, Herrliche, Schim-

mergelockte,

Stralenverspenderin, Rossetummlerin, Mutter der

Zeiten,

Alles belauschende Wächterin, Tänzerin himmli-

scher Tänze,

Die du wandelst so gern in stillem traulichen

Dunkel,

Die du leuchtest so gern, so gern erquickest und

segnest,

Die du führst im Triumph der Sterne jauchzende

Reigen,

Lichtumgürtet, umwallt vom weiten silbernen

Mantel —

Komm, Holdselige, komm' in deiner Schöne, du

Gute,

Und mit mildem Strahl erfreue den flehenden Waller.