Paraphrasis Psalmi 125. juxta latinos

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Nach dem deß Höchsten übergrosse gunst

Die im Elend schier verschmachte

Die von jederman verlachte

Die Zion auß der heissen jammer brunst

Auß dem verknüpfften Ketten-Netze

Dem Kercker stanck dem Angst gehetze.

Durch wunder-Allmacht außgerissen

Vnd alß sein freyes Kind lies grüssen.

Da zweifelt jeder: jeder stund vnd fragt

Ist diß Zion die gekränckte?

Die in jammerschlamm versenckte

Die Brand vnd Schwerd vnd Blitz vñ glutt geplagt?

Ists Zion? oder muß mit liegen

Vnß leichter träume dunst bekrigen.

Wir schlaffen ja nicht? Nein wir wachen

Vnd hören Zion frölich lachen.

Die Zion die in herben leid erstickt;

Der die Angst den Brunn der Thränen

Gantz erschöpfft die mattes sehnen

Nur noch allein mit schwachem Geist außdrückt.

Die wie ein Turteltäublein girret:

Sitzt in geschwinde lust verwirret.

Sie lacht sie jauchtzt sie rühmbt sie singt.

Daß Thal vnd Berg davon erklingt.

Vnd billich! denn wer dieser wunder schawt:

Vnd die gantz zersprengten Bande.

Die in Ruhmb verkehrte Schande

Die rawe klufft für der der Sonnen grawt:

Läst mich bestürtzung von sich hören:

Wieviel hat GOTT der HERR der Ehren

An jhr gethan: Er hat erzeiget

Was weder Ost noch West verschweiget.

Ja freylich spricht Sie: Thut er viel an mir

Drumb soll: weil mir Blutt vnd Leben

Wird durch Hertz vnd Adern schweben

Mein Mund vnd Hand vnd Seele dancken dir

HERR rette was sich noch nicht findet:

Was der noch feste Fessel bindet.

Was noch der Feind gefangen heisset:

Was noch die scharffe wehmutt beisset.

Diß wird dein Kind erquicken alß die flutt

Alß das rauschen von den Bächen

Die so mit durst vnd gebrechen

Im Suden quelt der Sonnen schwere glutt.

Wie leichter Taw das Land ergetzet

Wie Regen der die Felder netzet

Die glüend-heisse Lufft getrennet

Vnd schier zu leichten staub verbrennet.

Diß bleibt deß Himmels ewig-feste Schluß

Daß Betrübte nicht stets klagen:

Daß die wollust folgt den Plagen

Daß wer getrawrt zu letzte jauchzen muß

Die jhre Saat in Angst auß strewen.

Die wird die Frucht-reich Erndt' erfrewen:

Seet Thrähnen auß seet auß mit weynen.

Trost wird (wenn jhr nun mayt) erscheinen.

Man geht bestürtzt alß sonder Rath einher

Wenn das wüßte Land zu bawen:

Vnd kein mittel mehr zu schawen

Wenn Scheur vnd Schloß von allem Saamẽ ler

Doch wird das ach Das vnß verzehret

In frewdenschwang're Lust verkehret:

Wenn man die vollen Garben bringet

Vnd jauchzend' vmb die Awen singet.