Passion-Lied.

By Heinrich Mühlpfort

O HErr der hohen Himmels-Kertzen

Du Licht der ewig lichten Macht

Mich martern deine trübe Schmertzen

Und gehn mir ängstiglich zu Hertzen

Mich plagt des Todes düstre Nacht

Wor zu dich mein Verbrechen bracht.

Das Schuld-befreyte Licht der Sonnen

Hat als es war umb dich geschehn

Zu dem dein Lebens-Oel verronnen

Mit Nacht sein Antlitz übersponnen.

Es konte nicht das Unrecht sehn

Daß Selaven ihren Käyser schmähn.

Wie soll denn ich (da meine Sünden

Dich stürtzen in den Sünden-Koth

Du dich Unsterblicher läst binden

Hiermit ich Sterblicher kan finden

Was mir die Freyheit schenckt bey GOtt:)

Nicht seuffzen über deine Noth?

Ich habe mich im Schlam gewühlet

Der Seelen reines Kleid befleckt

Ich bins der sein Gewissen fühlet

Auf den der Höllen Rabe zielet

Den seine schwartze Schuld erschreckt

Weil mich der Unflats Mantel deckt.

Ich bin ein Koch der Sünden-Speisen

Ich richte nichts denn Laster an

Mein Messer ist von Wollust Eisen

Mein Eisen kan kein Engel preisen

Es rührt noch her vom ersten Mann

Daß ich nichts Gutes kochen kan.

Wie soll sich meine Schwachheit wagen

Dir aufzuopffern ihren Gruß?

Der du im Jammer-vollen Zagen

Hast meine Last mir helffen tragen.

Und durch den falschen Judas Kuß

Machst in den Himmel einen Fuß.

Wie soll mit Dancken ich erreichen

Womit du Heyland mich verehrt?

Sind das nicht werthe Liebes-Zeichen?

Du läst den Mördern dich vergleichen

Der du den Frieden stets gelehrt

Und Aufruhr jederzeit verstöhrt.

Du nimmst das Rohr des Scepters Zeichen

Und färbst die Dornen mit dem Blut

Auf daß mir halb-gestorbnen Leichen

Durch diesen Spott und schimpfflich streichen

Und durch die Purpur-rothe Fluth

Mein Spruch zum Lebeu falle gut.

Du hast vor mich die Schmach erkohren

Und ins Gefängnüß dich gestellt

Ach! den der selbst das Recht geboren

Spricht ungerechtes Recht verlohren

Und der den Tod in Banden hält

Wird seiner Richter Lösegeld.

So stirbst du HErr vor das Geschlechte

So selbst an deinem Leiden schuld!

Der König leidet vor die Knechte

Die Boßheit büsset der Gerechte

Und machet uns durch die Gedult

Den grossen Vater wieder hold!

Herr der du dieses wollen leiden

Ertheile mir dein Angesicht

Und dencke wenn nach diesem Scheiden

Du mich mit Fleich wirst wieder kleiden

Und wenn dein Mund das Urtheil spricht

Daß du vor mich schon seyst gericht.

Ich seh des Todes Macht zersplittern

Und er verliert sein scharffes Recht

Der Grüfte feste Mauren zittern

Der Frommen Leib und Gräber schüttern

Und gehn hervor: Weil GOtt geschwächt

Den jeder hielt als seinen Knecht!

So werd ich frey von allen Stricken:

Indem das Höllen-Netze bricht

Sich darff kein Garn mehr auf mich rücken

Noch mich mit ihren Ketten drücken

Weil selbst das ewig helle Licht

Bey GOtt vor meine Schuld einspricht.