Passion-Lied.
O HErr der hohen Himmels-Kertzen
Du Licht der ewig lichten Macht
Mich martern deine trübe Schmertzen
Und gehn mir ängstiglich zu Hertzen
Mich plagt des Todes düstre Nacht
Wor zu dich mein Verbrechen bracht.
Das Schuld-befreyte Licht der Sonnen
Hat als es war umb dich geschehn
Zu dem dein Lebens-Oel verronnen
Mit Nacht sein Antlitz übersponnen.
Es konte nicht das Unrecht sehn
Daß Selaven ihren Käyser schmähn.
Wie soll denn ich (da meine Sünden
Dich stürtzen in den Sünden-Koth
Du dich Unsterblicher läst binden
Hiermit ich Sterblicher kan finden
Was mir die Freyheit schenckt bey GOtt:)
Nicht seuffzen über deine Noth?
Ich habe mich im Schlam gewühlet
Der Seelen reines Kleid befleckt
Ich bins der sein Gewissen fühlet
Auf den der Höllen Rabe zielet
Den seine schwartze Schuld erschreckt
Weil mich der Unflats Mantel deckt.
Ich bin ein Koch der Sünden-Speisen
Ich richte nichts denn Laster an
Mein Messer ist von Wollust Eisen
Mein Eisen kan kein Engel preisen
Es rührt noch her vom ersten Mann
Daß ich nichts Gutes kochen kan.
Wie soll sich meine Schwachheit wagen
Dir aufzuopffern ihren Gruß?
Der du im Jammer-vollen Zagen
Hast meine Last mir helffen tragen.
Und durch den falschen Judas Kuß
Machst in den Himmel einen Fuß.
Wie soll mit Dancken ich erreichen
Womit du Heyland mich verehrt?
Sind das nicht werthe Liebes-Zeichen?
Du läst den Mördern dich vergleichen
Der du den Frieden stets gelehrt
Und Aufruhr jederzeit verstöhrt.
Du nimmst das Rohr des Scepters Zeichen
Und färbst die Dornen mit dem Blut
Auf daß mir halb-gestorbnen Leichen
Durch diesen Spott und schimpfflich streichen
Und durch die Purpur-rothe Fluth
Mein Spruch zum Lebeu falle gut.
Du hast vor mich die Schmach erkohren
Und ins Gefängnüß dich gestellt
Ach! den der selbst das Recht geboren
Spricht ungerechtes Recht verlohren
Und der den Tod in Banden hält
Wird seiner Richter Lösegeld.
So stirbst du HErr vor das Geschlechte
So selbst an deinem Leiden schuld!
Der König leidet vor die Knechte
Die Boßheit büsset der Gerechte
Und machet uns durch die Gedult
Den grossen Vater wieder hold!
Herr der du dieses wollen leiden
Ertheile mir dein Angesicht
Und dencke wenn nach diesem Scheiden
Du mich mit Fleich wirst wieder kleiden
Und wenn dein Mund das Urtheil spricht
Daß du vor mich schon seyst gericht.
Ich seh des Todes Macht zersplittern
Und er verliert sein scharffes Recht
Der Grüfte feste Mauren zittern
Der Frommen Leib und Gräber schüttern
Und gehn hervor: Weil GOtt geschwächt
Den jeder hielt als seinen Knecht!
So werd ich frey von allen Stricken:
Indem das Höllen-Netze bricht
Sich darff kein Garn mehr auf mich rücken
Noch mich mit ihren Ketten drücken
Weil selbst das ewig helle Licht
Bey GOtt vor meine Schuld einspricht.