Passions-Andacht.

By Heinrich Mühlpfort

Ach JEsu! soll mein Hertz nicht brennen

Und voll erhitzter Andacht gluhn?

Der Geist zu deinem Leiden rennen

Und sein verweßlich Kleid ausziehn

Dein unaussprechlich Angst und Marter zu erwägen?

Ach ja ich bin bereit

In tieffer Traurigkeit

Mich für dein heilig Creutz mein Heyland hinzulegen.

Den alle Himmel nicht umbfassen

Schließ ich in Glaubens-Armen ein

Wie könt ich diesen Schatz verlassen

Der mich befreyt der Höllen-Pein.

Ich flieh in meiner Angst gedruckt von schweren Sünden

In deine Seiten Höl

Laß JEsu meine Seel

Errettung von dem Tod und süsse Labsal finden.

Ich zittre zwar wenn ich bedencke

Der bittren Marter Grimmigkeit.

Du stirbst und gibst mir zum Geschencke

Das Heyl der wahren Ewigkeit.

Man krönt mit Dornen dich daß ich kan Blumen tragen.

Du fällst ich ward erhöht.

Auf daß der Mensch besteht

So läst du Dich für ihn mit Ruth’ und Geisseln schlagen.

Wie milde floß die Purpur-Quelle

Zu tilgen meiner Flecken Mahl.

Nun fürcht ich weder Tod noch Hölle

Noch aller Marter Angst und Quaal.

Die Liebe zwischen mir und dir ist nicht zu trennen.

Du bist mein höchstes Gut

Und deine Liebes-Glut

Soll stets in meiner Seel als eine Kertze brennen.

Wenn meine Augen einst verfallen

Ach JEsu so erscheine mir!

So lang ich auf der Welt muß wallen

So leb ich gleichfals eintzig dir.

Ich überliefer auch den Geist in deine Hände.

Den Leib bedeckt ein Kloß.

Ich sitz in deiner Schos

Und preise Gottes Treu und Güte sonder Ende.