Pastoral Vff Herrn Johan Zinckgrefen vnd Fraw Ma- ria Wildeisin Wittiben Hochzei...

By Martin Opitz

Der Schöffer Philopœmen

Hoch auff der Hardt thet stehn

Einsmorgens als die Strämen

Der Sonn vff wolten gehn

Er sah sie an mit frewden

Wie sie so kleblichblicktr

Vber die breite Heiden

Die in dem Reinthal ligt

Wie schön das Weiß vnd Rote:

Am Himmel sich verjüngt:

Er sprach: mir dieser Botte

Anmüthig Zeitung bringt

Wie wan vieleicht mein Sonne:

Mir jenseit auch vffgieng

Was brechten mir für wonne

Meim Hertzen diese ding?

Dann wann ich thue betrachten:

Der Alten Schöffer sag

So sein nit zuverachten

Der Götter Zeichen Tag

Er thete sich vffmachen

Wolt suchen Abenthewr

Sein Schäflin zubewachen

Befahl er seim Nachbeur.

Er setzet vber Rheine

Den König aller Flüß

Auff daß er sändt das seine

Daß ermit fügen küß

Er kam ans Neckers Flosse

Wohl in dem Jetter grundt

Da Friedemar der grosse

Der Schäfer Mayer wohnt.

Die Sonn thet nun erreichen

Das höchste Himmelsziel

Der Hitz wolt er entweichen

Nach schatten stundt sein will

Er sucht die schönste weiden

Die stunden am Gestadt

Darunder er wolt beiden

Vnd bey sich suchen rath.

Gar bald Er that ersehen

Isis die Schäferin

Nit fern im Busche stehen

Mit gantz betrübtem Sinn

Ihrs Schäfers Todt sie klaget

Das Leide selbst sie ziert

Manch trostloß Wort sie saget

Manch seufftzen sie da führt.

Er sah sie an vnd höret

Ihrer klagreden viel

Sein Sinn sie jhm betöret

Ihr weiß jhm wohl gefiel

Er meint sie wer so wilde

Gleich wie jhr Nahmen laut

So fandt er sie gar milde

Er wolte sie zur Braut.

Vmb sie allein Er freyet

Bekam jhr drei zumahl

Deß glücks er wardt erfrewet

Es dörffte keiner Wahl

Er sprach Ihr seit mein erste

Vnd auch mein letzte Pein

Sie sprach: Ihr seit der letste

Vnd doch der liebste mein.

Dieweil sie nun mit dreyen

Allbeide zehlen thun

So woll jhn Gott verleyen

Daß dreymahl drey von nun

Vnd bald kom an den Reien

Das dritte Kindelein

Vnd mach mit seinem schreyen

Das zehnd gesetz hierein.