Pastorelle.

By Heinrich Mühlpfort

Als früh das Morgen-Licht den Him̃el uns entdeckte

Und sein blau Angesicht mit Rosen übersteckte

Ging Charimildens Fuß des Wetters zu geniessen

An einem hellen Fluß den Blumen rings umbschlies-

Sie trieb die liebe Schaar der Wollen-reichen Lämmer;

So schon gefüttert war an jene Seit’ der Tämmer.

Und daß nicht ihre Lust ein Coridon betrübte

Hat sie den Ort gewust den Einsamkeit beliebte.

Es stund ein dicker Wald mit frisch belaubten Myrten

Der Rymffen Auffenhalt die Höle müder Hirten;

An dessen Schatten-Nacht sie ihr Gemüth ergetzte

Daß sie sich bey der Pracht der Bäume niedersetzte.

Sie zog den schwartzen Flor von ihren Rosen-Wangen.

So kommt die Sonn hervor im Purpur-Glantz gegangen.

Das Haar flog Kercker

An denen ein Türkoß Rubin und Demant hinge.

Sie saß voll Lieblichkeit bey ihren fetten Heerden.

Es wuchs ein Anmuth-Streit in zierlichsten Geberden;

Biß daß der Finger Schnee sich noch beliebter machte

Und von der Sinnen Höh’ ein fertig Lust-Lied brachte.

Die Alabaster Hand lieff hin auff die Claviren

Und war sehr wohl gewandt den reinsten Thon zu führen.

Der Wald stund gantz entzuckt die Vögel gantz bethöret

Und schätzten sich beglückt daß sie den Klang gehöret.

Geht sang sie meine Schaf; und brauchet eure Weide:

Es macht mir nicht der Schlaf so angenehme Freude

Alß wenn ihr munter springt und euch bey meinem Stande

Den mir die Freyheit bringt nehrt in dem guten Lande.

Hier ist ein freyes Feld ein Schauplatz meiner Sinnen

Da ich nicht wie die Welt darff Liebes-Gifft gewinnen.

Die Seele bleibet rein als wie ihr reines Wesen

Und wird bgierig seyn nur Tugend auffzulesen.

Wenn die in Flammen kocht und weiß sich nicht zu halten;

Jen’ auff den Liebsten pocht und seine Lust-Gestalten.

Die über Meineyd klagt und des Cupido Pfeile

So sitz ich ungeplagt in guter Ruh und Weile.

Ein Pusch ein frischer Brunn ein blühendes Gesträuche

Schafft mir mehr Freud’ und Wonn’ als wenn in Venus Reiche

Der Liebe Natur quillt dieweil sein schönes blincken

Vor Leib und Leben gilt bey denen die ihn trincken.

Weg Wollust! meinen Geist den kanst du nicht bezwingen.

Er ist der dir zerreist das Netze samt den Schlingen.

Und

Weil offt die Thränen Fluth sie wieder weg muß waschen.

Indessen hatte schon weil sich die Charimilde

Ergetzt durch Klang und Thon in lustigem Gefilde

Der Sonnen Feuer-Rad das Mittel überschritten

Und auff der Weide Pfad ihr Vieh die Hitz erlitten.

Drum trieb sie schleunig ein dem Mittag zu entweichen

Biß sein beschwerlich seyn beginnet zu verschleichen.

Denn gehet Charimild und ihre Schafe wieder

Wo sie die Lust gestillt durch Zucker-süsse Lieder.

Als nechst ein schöner Tag den Himmel aus gekläret

Und neuen Sonnenschein dem Feld und Wald bescheeret

Ist wo der

Und umb das Rosenthal die breiten Armen schrenckt

Der Schäffer

Und haben Raum und Ruh bey einem Baum genommen

Die Gürtel aufgelöst die Taschen abgelegt

Sich in das Graß gestreckt wie sonst ein Hirte pflegt.

Drauff ihre Noth geklagt wie sie die Liebe frässe

Und als ein nagend Wurm in ihrem Hertzen sässe

Daß weder Noth noch Zeit veränderte die Pein

Und daß die Liebe müst’ ein brennend Feuer seyn.

Biß endlich

Wie seine

Als irgend eine mag. Der

Wir streiten durch ein Lied wer Seine loben soll.

Und drauff sang

Der Sommer muß dem Herbst der Herbst dem Winter weicher.

Die Nacht verhüllt den Mond; nur deiner Augen Licht

O schöne

Kein Apffel färbt sich so als Lippen Mund und Wangen

Der Schnee hat sich zugleich umb Brust und Halß gehangen.

Und ob des Winters Frost dem Baum die Blätter raubt

So ist der Glieder May mit Kräntzen doch belaubt.

Die schöne Chloris ist mein’ andre Morgenröthe;

Seht ob ihr Angesicht nicht alle Blumen tödte?

Sie ist mein Westen Wind der mich beleben kan.

Sie eine Königin und ich ihr Unterthan.

Das schwartz-geflochtne Haar gleißt schöner als die Raben;

Und Lust und Liebe wil bey ihr die Wohnung haben

Die Erdbeer ist nicht roth für ihrer Lippen Schein

Die Brüste reiffen so wie Trauben voller Wein.

Wie junge Pirschbäum blühn so lacht der Galatheen

Liebreiches Angesicht: und wo sie kommt zu gehen

Da spriessen Rosen auf. Die Milch ist nicht so rein

Als ihre klare Zähn und weisse Hände seyn.

Wie offt zwo Kirschen sich an einen Stengel hängen

So sieht man auch die Brüst’ ergetzlich sich vermengen

Und sind zwey Rehen gleich die in den Lilgen gehn

Zwey Bergen die bedeckt mit Schwanen-Federn siehn.

Ein Blumen-reicher Lentz wächst auf der Chloris Brüsten

Man sieht in ihrem Schos der Liebe Tauben nisten.

So süß als Honig schmeckt und süsser ist ihr Mund.

Was mehr. Mein Lieben ist den Sternen selbsten kund.

Wenn bey verschwiegner Nacht der Monden uns geschienen

Und ich mein Lieb geführt in dem betäunten Grünen

Wie mancher Kuß hat mich zu einem Gott gemacht

Ich habe nicht ans Hauß noch an mein Vich gedacht.

Die Muskateller Birnschmeckt nimmermehr so süsse

Als meiner Galathee frey ausgelaßne Küsse

Ich mag nicht Honigseim nicht fetten Ram und Sonn

Jhr milder Lippen Mostvergnügt mein Lieben schon.

Ich habe nechst im Wald ein Haselhun gefangen

Das bring ich zum Geschenck, und wenn der Herbst vergangen

So leß ich von der Heerd das beste Schaf ihr aus

Und kröne sie und mich mit einem Blumen Strauß.

Ein ander mag auf Schaf und fette Heerden pochen.

Zwey Turtel-Täubelein so neulich ausgekrochen;

Sind mein Geschenck und Gab; mehr Reichthum mangelt mir.

Doch Chloris ist vergnügt; mein Schatz ist ihre Zier.

Ich bin ihr höchstes Gut der ärmste von den Hirten

Der reichst an Lieb und Gunst. Die aufgewachßnen Myrten

So nechst am Hofe stehn sind Chloris auch geweyht

Biß ihre zarte Hand den Braut-Krantz zubereit’t.

Mein Himmel Galathee ihr’ Augen meine Sonne

Jhr Haar ein golden Netz das Venus hat gesponnen.

Die Lippen von Corall der Halß von Helffenbein

Die Brüst’ von Flam̃’ und Schnee der Bauch von Marmelstein

Sticht allen Zierath hin. Noch keine Schäfferinnen

Hat reiche Galathee dir jemals gleichen können.

Zu dem damit du siehst daß ich kein Bettler bin

So nimm zum Braut-Geschenck den güldnen Gürtel hin.

Mein Kleinod das ich geb ist Chloris nur mein Hertze

Und eine treue Seel des Liebes-Opffers Kertze.

An Reichthum bin ich arm an Armuth bin ich reich.

Obschon dein Angesicht nicht Sonn und Himmel gleich

So hab ich doch bey dir was ich geliebt gefunden.

Die treue Redlichkeit hat mich vielmehr verbunden

Als theure Pracht von Gold. Und reiner Liebe Sinn

Ist über Geld und Welt ein prächtiger Gewinn.

So waren sie entbrant fast gar aufs schärffste kommen

Biß unterdeß die Sonn am Himmel abgenommen

Und dicker Rauch und Dampff aus ihren Höfen gieng

Daß endlich

Mein

Und wer in Liebe brennt der liebt offt Stock und Steine.

Doch trennt die Liebe nicht der Freundschafft altes Band.

Ich bleibe Galatheen du Chloris zugewandt.