Pindarische Ode Bey Beerdigung Fr. A. M. S. g. v. V. den 20. Augusti 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Wenn itzt das Jahr betagt erscheint

Die Lufft wird frisch der Himmel weint

Und uns die langen Nächte decken

So falbt der Bäume grünes Haar;

Wo vor das schönste Blumwerck war

Da siht man nichts als wüste Hecken.

Der Apffel so den Baum’ geziert

Und seinen Purpur hochgeführt

Fällt ab das Graß verwelckt und die so volle Traube

Harrt auff des Wintzers Hand die sie vom Stocke raube:

Denn ist die Lust und alle Liebligkeit

Von uns hinweg und nur betrübte Zeit.

So gehts mit unsrer Lebens-Frist

Die einem Herbst gantz ähnlich ist

Wenn unsre reiffe Jahre kommen

So mercket man wie allgemach

Das traurig’ Alter schleichet nach

Und hat uns Safft und Krafft genommen.

Der Jugend Schönheit ist dahin

Der frische Muth der grüne Sinn

Die blühende Gestalt des edlen Geistes Funcken

Der Gaben Treffligkeit sind allbereit entsuncken.

Und die wir vor so jung so schön und roth

Erwarten nun nichts anders als den Tod.

Von Bäumen gibt der Herbst wir vom Gemüthe Früchte

Er kan so trächtig nimmer stehn

Als wir geziert mit Tugend gehn

Und suchen in der Welt ein ewiges Gerüchte.

Ob Schönheit schon vergeht trit Klugheit an die statt.

Ein hoch und edles Blut das seineu Ursprung hat

Von der gestirnten Höh’

Reis’t wieder zu den Sternen

Und ob der Leib vergeh’

Heist es die Welt doch lernen

Daß ihm ihr Innbegrieff zu klein für seine Thaten.

Ja daß ein himmlisch Geist

Mehr Schätze führt und weist

Als Trauben in dem Stock und Körner in Granaten.

Sind Menschen nun ein Bild der Zeit

Voll Unbestand und Flüchtigkeit

Gebaut aus schlechtem Leim und Erden?

War diß ein Thon und rother Kloß

Drein GOtt den ersten Athem goß

Und hieß ihn einen Menschen werden?

Verkehrt uns denn des Todes Raub

Auch wieder nur in Asch’ und Staub?

Hilfft nichts der Jahre May des Alters Witz und Gaben?

Wird bald ein kleines Kind und bald ein Greiß begraben?

Schallt stets die Stimm so uns ins Ohre schreyt:

Der Mensch ist nur ein Bild und Spiel der Zeit?

So muß er auff was bessers schaun

Und ihm ein Angedencken baun

Das nicht der Zeiten Zahn verletzet;

Ein Leben daß die Tugend ziert

Das unter Ehr und Ruhm geführt

Wird von der Nach-Welt hochgeschätzet:

Denn Tugend Weißheit und Verstand

Sind unsrer Sinnen schönes Pfand

Und wer hier wohl gelebt der kan auch frölich sterben.

Die Handvoll Fleisch und Blut mag wie sie wil verderben

Ob dieses alte Kleid bricht und zerschleust

So zieret dort der Himmel unsren Geist.

Der Tugend Göttligkeit ist nicht allein zuschauen

Bey Männern denen sie vermählt.

Es sind den Sternen zugezehlt

Heldinnen jener Zeit und Kronen von den Frauen.

Man preist Aspasien von Demuth Scham und Zucht

Hat nicht Hipparchia die Weißheit ausgesucht?

Es bleibt

Der Keuschheit Schloß und Riegel

Und einer süssen Eh’

Die Livia ein Spiegel;

Wird auch die jüngre Welt ein grösser Wunder lesen

Als wie auff ihrem Thron

Bey Scepter und bey Kron

Beglückt Elisabeth die Königin gewesen?

So ists die Tugend bleibt das Licht

So durch des Grabes Schwärtze bricht

Und neuen Schein der Grufft gewehret.

Obschon die Frau von

Jtzt nichts als Racht umschlossen hält

Und Fäulnüß ihren Leib verzehret

So wird doch nicht der Tugend Glantz

Der Ahnen Ruhm und Sieges-Krantz

Und andre Gaben mehr aus dem Gedächtnüß kommen.

Es hat den schlechten Theil der Tod nur weggenommen

Die Seele weiß von der Verwesung nicht

Und schwebet nun in jenem grossen Licht.

Hoch-Edler Herr es eilt zur Ruh

Die wertheste Frau Mutter zu

Und fällt wie itzt das Laub von Bäumen.

Gleich wie ein Läuffer auff der Flucht

Der seiner Reisen Endziel sucht

Sich nicht wird bey dem Wirth versäumen:

So eilt sie aus dem Thränen-Thal

Zu dem erlauchten Freuden-Saal

Gott da von Angesicht zu Angesicht zu schauen.

Es wird der Mensch wie Graß und Blumen abgehauen.

Doch wie es drauff der Frühling neu gewehrt

So sol auch einst seyn unser Leib verklärt.

Verbleiben unbewegt bey seiner Mutter Leichen

Stünd einem harten Felsen an

Doch hat er was er sol gethan

Wenn er ihr Thränen wird zum letzten Opffer reichen.

Diß heischet die Natur diß fodert Schuld und Pflicht

Und diese rinnen schon aus seiner Augen-Licht.

Hingegen wenn das Leid

Sich etwas hat geleget

Und er die Sterbligkeit

In seinem Sinn erweget

Wie Auff- und Unter-Gang einander stets umbfangen;

So wird er frey gestehn

&q;Daß die von hinnen gehn

&q;Den Anfang wahrer Lust der Schmertzen End erlangen.