Preis GOttes wegen der Wun- derbahren Hervorbringung und Einrichtung der Mensche...

By Johann Justus Ebeling

Herr, des Lebens, Quell der Dinge,

Deinen Ruhm recht zu erhöhn,

Bin ich viel, viel zu geringe,

Ich muß selbst mein Nichts gestehn:

Du hast mich mit deinen Händen,

Aus den tief verdekten Wänden

Wunderbar aus Licht geführt,

Dadurch ist mein Herz gerührt.

Es erkennet mein Gemüte;

Du HErr! du bist es allein,

Und die grosse Wundergüte

Ist die Quell von meinen Seyn;

Ich wär in dem Nichts geblieben,

Wenn dein überschwenglich Lieben,

Mich nicht aus der finstren Nacht,

An des Tages Licht gebracht.

Du hast mich wie Milch geronnen,

Weiser Meister der Natur,

Wie ein zartes Garn gesponnen,

Auf der unsichtbahren Spur,

Du hast meinen Leib formiret,

Dessen Wunderbau vollführet,

Glied an Glied, durch deine Hand,

Wie ein Uhrwerk aufgespannt.

O! was bin ich vor ein Wunder,

Seh ich mich nur selbsten an;

Denk ich was ich bin jetzunder,

Und was du an mir gethan,

Da du meinen Leib gewebet,

Wo ein Theil am andern klebet;

So macht Herze, Zung und Mund,

Deine Wundergrösse kund.

In dem künstlichsten Verbinden,

Da ein Glied am andern hängt,

Kan ich lauter Wunder finden

Dadurch wird mein Sinn gelenkt,

Weiser Schöpfer dich zu loben,

Da du mir so viele Proben

Deiner Allmacht kund gethan,

Als ich Glieder zählen kan.

Werffe ich der Andacht Blikke,

Bei des Körpers schönster Zier,

Auf den ersten Stoff zurükke,

So kommt mir ein Pünctgen für,

Das sich an zu regen fänget,

Weiter auseinander drenget,

Und entwikkelt wie ein Draht,

Den man aufgewunden hat.

Da seh ich mich in Gedanken,

Wie ein kleines Wunderkorn,

Daß in seinen engen Schranken

Theile hat die ganz verworn

Durcheinander sind gefalten,

Die ein Allmachtvolles Walten,

Durch die unsichtbahre Krafft,

Unvermerket grösser schafft.

Weiter seh ich mich im Kleinen,

Und die erste Grundbildung,

Woran Kopf, Arm, Schenkel scheinen,

Bringt mich zur Bewunderung.

Ich war in den engen Kreisen,

Noch so klein wie die Ameisen

Als ich in dem Auffenthalt,

Schon bei nah zwei Monath alt.

Deine Vorsicht half mich weiter,

Durch des Wachsthums Treibe-Krafft,

Ich ward länger, ich ward breiter,

Durch dem der da alles schafft.

Augen, Finger die entsprossen,

Waren weiter ausgeschossen;

Ich empfing im finstren Schlauch,

Bald darauf den Lebens Hauch.

Meine Bildung ward vollendet,

Grosser GOtt! durch deine Macht,

Als die Zeit hernach geendet,

Hast du mich ans Licht gebracht.

Wie dies alles sey geschehen,

Kan mein Wiz noch nicht verstehen;

Aber dies versteh ich klar,

Es sey alles wunderbahr.

Deine Hand hat mich formiret,

Und dein göttlicher Verstand,

Hat mich weislich ausgezieret,

Das ist mir genug bekandt.

Nehm ich mich zum Augenmerke,

Seh ich so viel Wunderwerke,

So viel Stük und Glieder man,

An dem Körper zählen kan.

Unsers Körpers Kunstgebäude,

Ist der Seelen ihr Pallast,

Drin das schlanke Eingeweide

Wunderbahrlich eingefaßt.

Und das äuserlich Gehäuse

Der Maschine, ist sehr weise

Durch der Sehnen starkes Band,

Wie ein Uhrwerk aufgespannt.

Dieses schöne Meisterstükke

Zeiget seinen Meister an,

Führt uns gleich auf dem zurükke,

Der solch Kunstwerk bilden kan:

Und daß bist du ewger Schöpfer

Der du uns, als wie ein Töpfer

Unser leimern Haus formirt

Und so weislich ausgeziert.

O! wie herrlich, o! wie weise,

Ist das Aussenwerk polirt,

An des Körpers Kunstgehäuse,

Ist es nicht so aufgeführt,

In einander so gesezzet,

Daß uns alles dran ergözzet?

Jeder Theil ist so gefügt,

Daß das Ganze uns vergnügt.

Es ist nicht dabei vergessen,

Des Verhältnis Richtigkeit

Als wenn alles ausgemessen;

Jedes Gliedes Zierligkeit,

Giebet uns ein weises Wesen,

Das es so formirt, zu lesen,

Und des ganzen Körpers Bau,

Legt uns Ordnung, Pracht zum Schau.

Wie die Zweige mit den Stammen;

So hängt auch das Haupt und Glied

Wolgefüget fest zusammen

Da ein Glied das andre zieht

Wie die Säffte zirkuliren,

Sich durch alle Theile führen

In dem Baum; so geht das Blut

Durch den Leib das nimmer ruht.

Dieses schöne Kunstgebäude,

Das aus manchen Theil besteht,

Hat Kopf, Leib, und Füsse, Hände,

Daran sich ein jedes dreht,

Es kan sich von selbsten lenken,

Wie und wo es will hinschwenken,

Zeigt uns das nicht klärlich an,

Was des Höchsten Allmacht kan?

Wer kan alle Wunder zählen,

Die am Haupte sind vereint

Da am Hirn dem Siz der Seelen

Schon so manches uns erscheint.

Sehn wir wie von allen Seiten

Sich die zarten Fäsern leiten:

So bemerkt man hier den Siz,

Von der Menschen zarten Wiz.

O! wie viele Wunderröhren,

Sehen wir nach weisen Rath,

Aus des Hirnes Hölen kehren,

Die sich wie ein zarter Draht,

Durcheinander künstlich winden,

Und wie ein Gespinst verbinden,

Die sich immer weiter drehn,

Und zum äusren Sinnen gehn.

Diese alle sind zusammen

Werkzeuge der Sinnligkeit,

Die aus dem Gehirne stammen,

Und im Kopf herum zerstreut:

Das was aussen wird verspüret,

Wenn die Nerven sind gerühret,

Zu der Seele wird geschikt,

Und verborgen eingedrükt.

Unbeschreiblich ist geschmükket,

Unsrer Augen Wunderglas,

Dadurch unser Geist erblikket,

Was in dem Cristallnen Naß

Sich mit seinem Bilde mahlet,

Da denn in die Röhren strahlet,

Was vom Körper sichtbahr springt

Das dadurch zur Seele dringt.

Herrlich ist der Gang der Ohren,

Von dem Schöpfer aufgebaut,

Wenn man durch die offnen Tohren,

Krumgewundne Schnekken schaut:

Da muß sich durch Jrregängen,

Der getriebne Schall fortdrängen

Der drauf an die Trommel schlägt,

Und gespannte Nerven regt.

Kunstreich ist der äusre Hügel,

Von der Weisheit angelegt,

Der der Augen runde Spiegel,

Gleichsam als ein Pfeiler trägt.

Es dringt durch die offnen Hölen,

Durch ein Sieb zum Siz der Seelen,

Der ambrirter Blumen Rauch,

Und der dufftgen Körper Hauch.

Es sind diese Nasen Löcher,

Durch die Flügelwand getheilt,

Und gleichsam zwiefache Fächer,

Dadurch das herunter eilt,

Was von zähen Feuchtigkeiten,

Vom Gehirne abzuleiten:

Es muß auch durch diese Röhrn;

Othem hin und wieder kehrn.

Oefnen wir der Lippen Schlösser,

Und das Elfenbeinern Thor;

So kommt uns wie im Gewässer

Unsre feuchte Zunge vor;

Die aus einem schwammicht Wesen

Von dem Schöpfer auserlesen,

Und von allen Knochen frei,

Damit sie beweglich sey.

Weiser Schöpfer mit Ergözen,

Macht uns unsre Zung und Mund,

Die die Speicheldrüsen nezen,

Deiner Allmacht Grösse kund!

Der gewölbte Bau der Lippen,

Und der Zähne harte Klippen,

Die verriegeln wunderbahr

Unsre Zunge vor Gefahr.

Dieses Glied das sich leicht reget,

Wie ein Schwerd ist zugespizt,

Wird wenn man es recht erweget,

Sonderlich zur Sprach genüzt,

Und durch ein empfindend Schmekken,

Muß es uns dazu entdekken,

Was vor süsse Liebligkeit,

Sey in Speiß und Trank gestreut.

Darum sind drauf ausgesäet,

Warzen die sehr spiz und klein,

Dadurch der Geschmak entstehet,

Weil es lauter Nerven seyn:

Daß wenn Speis und Trank sie rühret,

Wird so gleich von uns verspüret:

Ob dieselben uns bequem,

Ob sie herbe, angenehm.

Wenn die Muskeln sich bewegen

An der Zung, so merket man,

Wie durch ihr geschwindes Regen,

Stimm und Wort entstehen kan;

Da was unser Geist gedenket,

Wenn die Zung den Gaum gelenket,

Unser Mund so gleich erklärt,

Welches man in Worten hört.

Schauen wir die Leibes Höle,

Die am Hals ist angefügt,

So entdekken wir Canäle

Deren Nuzze uns vergnügt.

Eine von des Halses Röhren,

Läßt uns das Gethöne hören:

Wird die Lufftröhr sonst genannt,

Wie iedweden ist bekannt.

Diese steiget zu der Lunge,

Jene geht zum Magen hin,

Und nimmt von der regen Zunge,

Speis und

Den der Magen zubereitet,

Und durch das Gedärme leitet,

Dadurch denn der beste Safft,

Allen Gliedern Kräffte schafft.

Was in den Gedärmen hänget,

Das sich kriechend fort bewegt,

Wird denn immer fortgedränget,

In die Milchgefäß gelegt,

Welche diese Nahrung seigen,

Wie uns die Zergliedrer zeigen,

Bis der Safft denn fortgedrükt,

In die Adern wird geschikt.

Spürt hiebei nicht das Gemüte,

Eine grosse Wundermacht,

Eine ewig weise Güte,

Wenn man dieses überdacht,

Wie der Körper so formiret,

Daß sich Sinn und Geist verlieret,

Wenn man achtsam überschaut,

Wie der Leib ist auferbaut?

Doch last uns zu GOttes Preise

Ferner noch die Brust besehn,

Welche der alleine Weise

Wie ein jeder muß gestehn,

Als die Festung vor das Leben,

Wie mit einem Wall umgeben;

Mit des Brustbeins starken Schild,

Gegen die Gefahr verhüllt.

Dieser dekt die Lebens-Quelle,

Woraus Freud und Leid herstammt,

Worin Has und Zorn sehr schnelle,

Wie ein wütend Feur entflammt:

Dieser Siz von Lust und Schmerze,

Aller Leidenschafft, das Herze,

Ist von GOttes Allmachts Hand,

Wie ein Uhrwerk aufgespannt.

Dieses Triebrad das sich reget

Machet daß der Lebenssafft,

Das Geblüt das es beweget,

Durch den Leib wird fortgeschafft;

Durch sein sprüzzendes Gedränge,

Füllet es der Adern Menge,

Da denn weil es immer treibt,

Keine Faser safftlos bleibt.

Nehmen wir zum Augenmerke,

Ferner die Beschaffenheit,

Von dem grossen Wunderwerke,

Von dem Herz das oben breit,

Unten aber zugespizzet,

Wie es im Gewölbe sizzet

Der von GOtt gebauten Brust:

So verspürt man Wunderlust.

Es hängt an den Adern, Röhren,

Die mit Blut sind angefüllt,

Wo beim Hin- und Wiederkehren,

Dieser rothe Safft fortquillt;

Diese gehn zu beiden Seiten,

Durch die Puls das Blut zu leiten,

In des Körpers Aederlein,

Die wie kleine Aeste seyn.

Daraus wird es fortgeschikket,

Wie der rege Kreislauf geht,

In das Herz zurük gedrükket,

Wenn die Fall-Thür offen steht,

Die in denen Herzens-Kammern,

Welche wie mit festen Klammern

An der starken Scheidewand,

Wundernswürdig angespannt.

So geht aus der einen Celle

Die des Herzens Vorsal heist,

Diese rothe Lebens-Quelle

Fort bis sie durchs Herze fleust,

Das mit einem scharffen Drükken

Es muß wiederum fortschikken;

Und so fliest das ab und zu,

Und das Herz hat nimmer Ruh.

Denkt man zu des Schöpfers Preise

Nach, des Herzens Einrichtung,

So bringt der alleine Weise

Uns zu der Bewunderung:

Wie er ein so zart Gespinste,

Macht zum Wunder aller Künste,

Das sich wie ein Drukwerk treibt,

Und so lang im Stande bleibt.

Um das Herz ist wie ein Küssen,

Ferner auch die Lung gelegt,

Die wir fast vergleichen müssen,

Einem Blasbalg der sich regt,

Da die Lufft durch Röhren gehet,

Paustend in die Bläsgens wehet,

Die hernach das Blut verdünnt,

Welches in den Adern rinnt.

Dadurch schöpfet wer da lebet,

Jmmer einen frischen Hauch,

Wenn sich auf und nieder hebet

Dieser schwammigt Lungen Schlauch,

Der so künstlich ist formiret,

Und mit Bläsgens ausgezieret,

Daß man gnugsam dran erkennt,

Wer sein Meister wird genennt.

O! wie viele kleine Röhren

Die mit Blut sind angefüllt,

Sieht man hie und dahin kehren,

Gleich als wenn ein Springborn quillt,

Da sich fast zu allen Seiten,

Wie im Haus die Röhren leiten,

Worin nachmahls Wasser springt,

Das in alle Zimmer dringt.

Wird ein Meister hochgerühmet

Und mit Lob und Ehrenpreiß,

Wegen seiner Kunst beblühmet,

Der da anzugeben weiß,

Wie Fontainen anzulegen,

Wie ein Orgelwerk zu regen:

So verdient um so vielmehr,

Unser Schöpfer Ruhm und Ehr.

Dieser hat dergleichen Werke,

In die hohle Brust gelegt,

Wo ich eine Röhr bemerke,

Drin die Lufft den Thon erregt,

Die gleich Orgel-Pfeiffen schallet,

Dran der Lungen Blasbalg wallet,

Der die Lufft die dadurch geht,

Zum verschiednen Thone dreht.

Und das Herz noch zu erwähnen

So legt dessen Wunderbau

Uns recht künstliche Fontainen,

Die mit Blut gefüllt zum Schau.

Und die Adern die dran sizzen,

Siehet man beständig sprizzen

Durch ein Triebwerk das stets geht,

Bis zum Todt nicht stille steht.

Doch wir wollen weiter gehen,

Und was hintern Vorhang stekt,

Den man Zwergfell nennt, besehen,

Das noch viele Wunder dekt.

Dieses Fell wird gleich der Lungen,

Jmmer auf und ab gedrungen,

Dient dem Herzen selbst zum Schuz,

Ohne seinen andern Nuz.

Denn sieht man die Leber hangen,

Die den bittren Gallensafft,

Aus dem Blute muß auffangen,

Und in ihre Blase schafft:

Da die bittre Quelle fliesset,

Sich in das Gedärm ergiesset,

Und die scharffe Feuchtigkeit,

Reinigt, die der Magen streut.

O! wie vieles wär zu sagen

Von der Küche, die uns nährt,

Von dem dikken Schlauch, dem Magen,

Der dem Leibe Krafft beschert.

Weislich ist er zugerichtet,

Wie uns jederman berichtet,

Der die Absicht nachgedacht,

Warum dieser Sak gemacht.

Er besteht aus dreien Häuten,

Und hat unterm Mittelfell,

Gegen unsrer linken Seiten,

Seine angewiesne Stell.

Es pflegt sich in seinen Falten

Salzzig saures auf zuhalten

Das den Appetit erwekt,

Und die Kost verdaut, zerlekt.

Oben aus des Halses Schlunde

Gehet durch die Speise Röhr,

Kost und Trank zum Magen-Munde,

Und der wird denn wieder leer,

Wenn das was genug bereitet,

Gleich der Pförtner weiter leitet,

Der was woll verdaut, zerkeut,

Unten ins Gedärme streut.

Da wird das denn abgeseiget,

Was als unser Nahrungssafft,

In die Milchgefässe steiget,

Und uns Kraft zum Leben schafft;

Was hernach wie Kley zu achten,

Und als Unrath zu betrachten,

Findet eine andre Spur,

Als ein Auswurff der Natur.

Zu des Körpers Eingeweide

Wird die Milz annoch gezählt,

Die mit einem bangen Leide

Viele recht entsezlich quält;

Doch wir können sicher schliessen,

Daß sie auch wird dienen müssen;

Ob gleich von der Nuzbarkeit,

Die sie schafft ein grosser Streit.

Alles was das höchste Wesen,

Zu dem Menschen ausersehn,

Und zum Körper auserlesen,

Ist ob wir es nicht verstehn:

Dennoch nüzlich zu benennen;

Wenn wir gleich nicht sagen können,

Was die Weisheit hat gedacht,

Da sie unsre Milz gemacht.