(Pseud.: Amaranthes)
Written 1693-01-01 - 1693-01-01
Laß mich schlaffen liebste Seele
Wilst du nicht zu frieden seyn?
Daß ich mich am Tage quäle
Und mein Hertz viel tausend Pein
Deinetwegen muß ertragen
Soll mich noch ein Schatten-Spiel
Mit verliebten Träumen plagen?
Engels-Kind! das ist zu viel.
Können doch verhaste Sclaven
Weil das Schiff vor Anker liegt
Bey der Nacht geruhig schlaffen
Ich allein schlaff unvergnügt
Auch die Nacht will mich nicht schützen
Denn mein Hertz erfährt darbey
Daß es muß erbärmlich schwitzen:
Tag und Nacht ist einerley.
Wenn der überhäuffte Kummer
Meinen schwachen Glieder-Rest
Ja zuletzt in einem Schlummer
Auf das Bette sinken läst
Schlaff ich doch auf Jacobs Steinen
Denn es wird mir bey der Nacht
Gleich was in dem Traum erscheinen
Das sich Engeln ähnlich macht.
Ich darf zwar in Himmel steigen
Welcher deinen Schooß umschleust
Weil dein gütiges Bezeugen
Mir im Traum die Leiter weist
Und geniesse Zucker-Leben,
Das mir deine karge Hand
Nimmermehr wird wachend geben
Denn du bist von Diamant.
Amor läst mich träumend siegen
Und ich seh der Palmen satt
Auf der weissen Wahlstatt liegen
Die mein Arm erfochten hat
Und bey meinem süßen Schlaffen
Wenn sich Mast und Seegel regt
Läufft mein Schiff in deinen Hafen
Den die Venus angelegt.
Ich beschiff bey Sturm und Blitzen
Deine neu erfundne Welt;
Wenn die Wellen um mich spritzen
Und der Schaum ins Bette fällt
Land ich eh ichs mich versehe
An den Zucker-Insuln an
So daß ich sie in der Nähe
Halb entzückt besteigen kan.
Wenn ich mich in Träumen paare
Find ich keinen Widerstand
Den ich offt bey Tag erfahre
Denn im Schlaff darf meine Hand
Nach den Purpur-Muscheln greiffen
Die dein Ufer ausgesät
Ja ich darf noch weiter streifen
Weil mir alles offen steht.
Aber, ach! wenn ich erwachet
Sincket mir mein steiffer Muth
Ob ich gleich im Schlaff gelachet
Und es mir noch sanffte thut
Läst mich doch der Glaube lesen
Der mir in die Hände kömmt
Daß mich nur ein schäumicht Wesen
Bey den Träumen überschwemmt.
Meine Glieder saynd geschlagen
Und der ausgebrochne Schweiß
Stehet daß ichs kaum mag sagen
Auf dem Leibe Tropffen-weiß
Ich kan kaum die Lenden rühren
Denn die Geister seynd dahin
Noch mich aus den Federn führen
Weil ich matt und müde bin.
Drum so stelle liebste Seele
Künfftig hin dein Martern ein
Da ich mich am Tage quäle
Laß die Nächte meine seyn
Sich am blossen Schatten laben
Ist ein Eiß das bald zerbricht
Was ich nicht soll wachend haben
Mag ich auch im Traume nicht.