Pulchrumque mori succurrit in armis, Oder beste todes-art im kriege über Hertzog...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Djs ist die nichtigkeit der menschlichen gedancken!

Wir nehmen in der welt uns grosse dinge vor;

Die hoffnung reitzet uns und schmeichelt unser ohr;

Die jugend stecket sich die wei

Die hoheit der geburt das glücke das uns blüht

Ist selbsten nicht genug die ehrsucht zu vergnügen;

Sie sucht ein höher ziel und eh man sichs versieht

Sieht man nebst unserm wunsch uns auf dem rücken liegen.

Dis so verkehrte spiel in allen unsern dingen

Ist jedem stande zwar mehr als zu wohl bekandt;

Doch kennet meist der krieg desselben unbestand

Allwo wir zu der ehr durch lauter schwerdter dringen.

Der diesen augenblick auf seinem posten ficht

Und nebst vermeintem ruhm denckt beute zu erjagen;

Fällt selbst durch einen schuß indem er schiest und sticht

Und wird wie dessen feind auff piquen weggetragen.

Welch absehn hatt’ ich nicht auff diesem hall der erden!

Der titel Printz zu seyn beschloß nicht meine ruh.

Der nahme den ich trug bließ mir was grössers zu

Ich wolte gar der welt zum Alexander werden.

Der zug der mich bereits nach Pohlen jüngst gebracht

Erweckte meinen geist auch Ungarn zu beschauen;

Und weil uns Ofen selbst den schauplatz auffgemacht

Wolt’ ich da meinen ruhm auff türcken-köpffen bauen.

Allein was kan der schluß des himmels doch nicht stöhren!

Ein kleines stückchen bley bezwang mich vor der zeit.

Die faust die tausenden den untergang gedräu’t

Kont’ einer kugel sich von weiten nicht erwehren.

Ich fiel wie Dohna fiel und tausend andre mehr

So der berühmte sturm vor Ofen auffgerieben;

Wir lieffen tapffer an vielleicht auch allzusehr

Nachdem es von uns heist: Sie sind davor geblieben.

Doch sag’ ich dieses nicht uns damit zu beklagen.

Was uns betroffen hat kan uns nicht fremde seyn.

Ein held steht überall auff seinem leichen-stein

Weil zwischen sieg und tod wir uns zum kampffe wagen.

Todt oder sieghafft seyn ist beydes unser ziel

Was auch von beyden kommt muß uns doch ehre bringen;

Und weil diß unser zweck so gilts uns gleiche viel

Ob lebend oder tod wir uns zur selben schwingen.

Weil man ja sterben muß wer will nicht stehend sterben?

Diß ist die todes-art so käyser auch begehrt.

Der auff dem bette liegt von kranckheit ausgezehrt

Muß vor dem tode schon verwesen und verderben.

Hingegen ein soldat der auff der wahlstatt bleibt

Stirbt mit demselben muth mit dem er ausgegangen;

Und da sein testament er mit dem degen schreibt

Will er zugleich bewehrt den letzten feind empfangen.

Nicht schöner stirbt ein held als in den kühnen waffen;

Und sonderlich ein Printz der von der helden-that

Der ahnen tapfferkeit den fürsten-purpur hat

Und sich durch sie auch selbst sucht einen glantz zu schaffen.

Er stirbt in seiner pracht von helm und schild geziert;

Der tod ergreiffet ihn auf ritterlichen wegen;

Und weil diß sein gewehr er für die tugend führ’t

Muß man es ihm aufs grab zu dessen zeugniß legen.

So kan auch unser ruhm nach welchem wir hie trachten

Durch nichts vollkommener als solchen todt bestehn:

Daß man in einer schlacht Turenne sterben sehn

Macht ihn uns mehr bekant als alle seine schlachten.

Weil unser leben kurtz in dieser sterbligkeit

Ist ein berühmter tod die ewigkeit im leben.

Wie aber sterben wir berühmter als im streit

Wo wir als männer stehn und uns der welt begeben?

Jm kriege stirbt man nicht wie sonst die menschen sterben;

Nicht sich und der natur aus schuldigkeit und noth:

Man geht für’s vaterland freywillig in den tod;

Und diese willkühr muß uns eben ruhm erwerben.

Wer für das vaterland und seinen herren fällt

Mag tod und eitelkeit als schattenwerck verlachen;

Weil der für den man stirbt uns ungestorben hält

Und die gesetze selbst uns unverweßlich machen.

Was vortheil wird denn nicht aus meinem grabe sprossen?

Da für die Christenheit des Käysers reich und land

Die ehre Brandenburgs und aller ruhestand

Ich Curlands helden-blut das mich beseelt vergossen?

Die festung so mit sturm noch niemahls überging

Versuchten wir dennoch durch waffen zu gewinnen;

Und da an Ofens fall des Türcken unfall hing

Wie starb ich als ein Printz im edlerem beginnen?

Die Christen musten ja des barbers frevel rächen.

Und wie hier iederman erhitzt zum kampffe war;

Erstritt’ ich mir vorher den vorzug der gefahr;

Als Hertzog wolt’ ich auch zu erst die mauren brechen.

Hie stand der ehren-thron der tugend ausgesetzt;

Glückselig wem der tod den aufftritt wollen gönnen!

Denn die gelegenheit wird billig werth geschätzt

Dieweil sie uns so gut nicht wiederkommen können.

Was schad’t es daß ein Printz im felde sterben müssen;

Bläst nicht der rauhe wind auch fürsten zimmer an?

Den harnisch den ich nicht im anlauf’ angethan

Braucht’ ich mit grosser pracht zu meinem sterbe-küssen.

Hier überwand ich erst den menschlichen verdruß;

Es kont in freyer lufft mein ruhm auch mehr erschallen;

Der denn auch in der welt gewiß erschallen muß

Da mich auf dieser bahn drey läger sehen fallen.

Mein Curland das mich liebt beklagt zwar mein verblassen;

Doch bleibet diß sein trost daß ich verewigt bin;

Und ihm und Brandenburg zum mercklichen gewinn

Die helden Casimir und Ferdinand verlassen.

Wobey auch selbst das haupt des reiches mich bedaurt;

Und Brandenburg für mich gar thränen lassen fliessen;

Voraus sein Friederich der mich noch stets betraurt

Und mein gedächtnis sucht in stein und ertz zu schliessen.

Es ehren meinen tod auch Brandenburgs carthaunen

Die durch sein gantzes land man von mir sausen hört

Wo nur mein leich-gepräng mit meinem cörper fährt.

Wie bläst man meinen ruhm aus helleren posaunen?

O allzuprächtige belohnung meiner treu!

Was kan ich würdigers mit in die grube nehmen?

Was laß’ ich auch der welt das größ- und stärcker sey

Tod und vergessenheit auff ewig zu beschämen?

So wird die nachwelt mich von meinem tode loben;

Ein käyserlicher tod vergöttert mein gerücht;

Und war ich gleich allhier ein Alexander nicht;

Hat mich dennoch mein tod ietzt über ihn erhoben.

Er fiel verkleinerlich durch gifft und hinterlist;

Ich starb in einem sturm den tod der helden-erben;

So daß ich ietzo hin was er gewesen ist:

Er war im leben groß ich bin es ietzt im sterben.