Rechenexempel

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Bruder Liederlich,

Was saufst dich so voll?

O du mein Gott,

Was schmeckts mir so wohl.

Am Montag

Muß versoffen seyn,

Was Sonntag

Uebrig war vom Wein.

Am Dienstag

Schlafen wir bis neun,

Ihr liebe Brüder

Führt mich zum Wein.

Am Mittwoch

Ist mitten in der Wochen,

Haben wir das Fleisch gefressen,

Freß der Meister die Knochen.

Am Donnerstag

Stehn wir auf um vier,

Ihr lieben Brüder,

Kommt mit zum Bier.

Am Freytag

Gehen wir ins Bad,

Alle Lumperey

Waschen wir ab.

Am Samstag

Da wollen wir schaffen,

Spricht der Meister:

Könnts bleiben lassen.

Am Sonntag

Vor dem Essen

Spricht der Meister:

„Jezt wollen wir rechnen.

Die ganze Woche

Hast du gelumpt,

Hast du gesoffen,

Null für Null geht auf.

Nun will ich nicht mehr leben,

Mit dir Geselle mein.

Urlaub will ich dir geben,

Weil du nicht bleibst daheim.

Du hast die sieben Tag

Gefeiert mit Spazierengehen,

So ich nicht leiden mag.“

Gar willig und mit Freuden

Will ich jezt ziehn davon,

Will solche Krauter meiden,

Dies also machen thun,

O Kraut, o Meister Kraut,

Des Tag soll zweymal fressen,

In meine zarte Haut.

Egyptisch soll dich plagen

Der Sonn und Mondenschein,

Ein Bündel schwer zu tragen

Soll dir Gesellschaft seyn,

Dazu ein schlimmer Weg,

Darauf du jezt sollst wandern,

Bis über die Schuh im Dreck.

Wie bist du so vermessen,

Hör zu du Krauter mein,

Du giebst zwar wohl zu fressen,

Viel Supp und wenig Fleisch,

Und alle Tag zwey Kraut,

Das macht in einem Jahre

Sieben hundert dreissig Kraut.

Was soll ich dir belohnen,

Wenn du's verdienest nicht?

Den Buckel thust du schonen,

Daß dir nicht Weh geschieht;

Thust alle Stund ein Schlag,

Die Hand magst nicht aufheben,

Drum ich dich nimmer mag.

Die Frau hat mich geliebet,

Und auch die Tochter dein,

Der Abschied mich betrübet,

Bringt mich in schwere Pein,

Macht mir mein Herz verwundt,

Wann ich an sie gedenke,

Und ihren rothen Mund.

Mein Weib kann dir nicht helfen,

Weil sie nicht Meister ist,

Laß nur die Lieb verwelken,

Wann abgereiset bist,

Geh, nimm dein Kleid an Leib,

Und laß das Lieben bleiben,

Bey deines Meisters Weib.