Rechtfertigung

By Hugo von Hofmannsthal

Written 1891-01-01 - 1891-01-01

So wie der Wandrer, der durch manch Verhau,

Manch blühend Dickicht seinen Weg gefunden:

Zerrißne Ranken haben ihn umwunden,

Auf Haar und Schläfen glänzt der frische Tau,

Und um ihn webt ein Duft noch viele Stunden

Wie Frühlingsgären und wie Ätherblau –:

So trägt der Dichter unbewußt zur Schau

Was schweigsam oft ein Freundesherz empfunden.

Er raubt es nicht, es kommt ihm zugeflogen

Wie Tau aus Blütenkelchen sich ergießt;

Der Blumen Zutraun hat er nicht betrogen,

Weil sichs ihm selber, unbegehrt, erschließt:

Den Tropfen hat ein Sehnen hingezogen,

Wo Bach zum Strom, und Strom zum Meere fließt.