Rede auß meinem GrabeGantz sterben werd' ich nicht
By Daniel Czepko von Reigersfeld
Written 1632-01-01 - 1632-01-01
O Mensch du Grab der Eitelkeit
Triet her zu diesem Grabe:
Schau was ich dir du Raub der Zeit
Darein geleget habe.
Was du ietzt bist und dann wirst seyn
Nihm von mir dir zur Warnung ein.
Ein kleiner Hügel ist mein Reich
Ein Orth von dreyen Ehlen:
Vier Brether einem Kasten gleich
Verwahrn mich und viel quehlen:
Sechs Schauffeln Erd' O sanffte Ruh!
Scharrn mich und auch viel Sorgen zu.
Ich war ein Mensch wie du auch bist
Von Stand und vom Verstande:
Dein gleiches Bild dein neben Christ:
Jetzt lieg ich hier im Sande.
Kein Marmel darff mein Grab erhöhn
Daß ich kan leichter aufferstehn.
Was ist der Mensch? deß Todes Ziehl:
Deß Irrthums Wirbel wende.
Sein Thun? der Eitelkeiten Spiel
Ein Vorsatz sonder Ende.
Sein Geist? ein halber Mund voll Lufft
Der so viel denckt und schafft und hofft.
Kein König: solt' Er gleich an Schein
Den Alexander pochen
Ein neuer Welt Beherrscher seyn
Und noch mehr Welten suchen.
Kein Bettelman vor deiner Thür
Darff einen grössern Raum vor mir.
Hier ist der Gräntzstein aller Macht
Das Zohl-Haus aller Sachen:
Kunst Schönheit Herrligkeit und Pracht
Darff sich nicht drüber machen.
Ein Schwerd ein Buch ein Pflug ein Stab
Sucht unter einem Staub ein Grab.
So weit so weit hast du zu mir
Dein Fuß hat zu der Erden:
Der Tod dein steter Gast winckt dir:
Folg ihm: wiltu klug werden.
Was du sonst suchest weit und breit
Ist nichts als eitel Eitelkeit.
Der Leib das Haus in dem der Geist
Beherbergt so viel Jahre:
Der in der Übung ward gepreist
Liegt auff der Todten Bahre.
Was hurtig was gerad und starck
Ist ietzt ein Aaß und fault im Sarg.
Ihr die ihr Stärck' in Armen spürt;
Geschickligkeit in Füssen:
In Fäusten gleiche Masse führt
Zu lösen und zu schlüssen
Vor Degen Ritterspiel und Pferd:
Schaut wie der Tod das Blath verkehrt.
Was hilfft es daß ihr das Rappir
Dem Tibolt nachgetragen:
Daß Fürsten nandten ihre Ziehr
Nach dem sich viel geschlagen:
Der Tod hat hier mit stracker Hand
Gefühl und Klinge mir entwand.
Was nutzet es daß ihr wohl schwingt
Den Fahn und auch die Picke:
Wol schieft wol schwimbt wol laufft und springt
Vor sich und auch zu rücke:
Den Schenckeln bringt der Tod; Ach Pein!
Hier das gelernte Zittern ein.
Was dien't es daß ihr euer Pferd
Umbwerfft zu beyden Seiten:
Daß sich der Hengst wie ihr begehrt
Lest wol in Schulen reitten:
Das Schull- recht mach' ich hier gemach
Dem Tod auff seiner Fahlen nach.
Ihr die ihr viel auff Jugend traut
Auff frische Mannes Kräffte:
Viel auff Gewerb und Wirtschafft baut
Auff allerhand Geschäffte:
Ein Sarg wie der ist euer Lohn
Sonst kriegt ihr warlich nichts darvon.
Was ist die Jugend? Ein Gelach
Von Tausend Eitelkeiten:
Ein Spiel- ein Buhl- ein Lust-Gemach
Darinnen wir uns breiten.
Schaut wie mich Atropos ietzt hertzt
Daß ich darinnen auch geschertzt.
Was ist die Eh'? ein Sorgen Nest.
Wie reich wie klug wie schöne
Dein Schatz dein liebes Weib gewest
Wie sitsam deine Söhne
Ein ander muß versorgen sie
Diß hatt ich auch ietzt lieg ich hie.
Was ist die Wirtschafft? eine Lust
Mit Unlust stets umbgeben
Doch wol dem der ihm wol bewust
Kan auff dem Felde leben:
Die Erde weil wir Erde sein
Pflügt ich ietzt scharrt sie mich drauff ein!
Was sind Geschäfft? ein Licht daß sich
Begräbet unterm brennen:
Wir machen frey von Händeln dich
Eh' als wir Unsre kennen.
Der keinem Menschen was versagt:
Sieht nicht wer nach den Seinen fragt.
Der Geist ein Wirth der durch das Haus
Den Gasthoff geitzer Würme
Hat seine Krafft gebreitet auß
Durch so viel Jahr und Stürme
Ist nunmehr Himmel auff gereist:
Kein Pfad das minste von ihm weist.
Ihr die ihr Kunst und Wissenschafft
Erfunden und beschrieben:
Von deren Sinnen weisen Krafft
Nichts unentdecket blieben.
Sehr wenig hab ich nicht gewust
Und doch an diesen Orth gemust.
Ich hab auf die gebundne Art
Mit mehr als Hundert Büchern:
Zwar wollen mir vor meiner Farth
Mein Andenckmahl versichern.
Jedoch die Bücher scharrt in sich
Die faule Mott' und Streck-Fuß mich.
Gestalt und Eigenschafft und Grund
Der wunderbahrn Geschöpffe:
Ward mir durch weises suchen kund
Ein Werck vor kluge Köpffe
Der Dinge Glantz durch-ging mich offt
Jetzt lieg ich in der finstern Grufft.
Die allgemeine Scheide Kunst
Wies mir das Saltz der Erden
Es solte drauß durch Gottes Gunst
Der Weisen Artzney werden:
Schaut wie der scheutzlich Alchimist
Der Tod mich selber kocht und frist.
Das Recht daß die Natur und Gott
Uns gräbt in das Gewissen:
War mir das rechte Grund Gebot
Draus alle Rechts-Lehrn fliessen:
Der Vieler liegt hier auff der Baar
Ein allgemeines Rath-Haus war.
Was sie die Cabala auch kan
Entbilden und enthöhlen
Hoch über deß Gemüttes Bahn
In einer reinen Seelen
Hab ich geschaut erkand erfahrn
Jetzt lieg ich untern meisten Schaarn.
Und kurtz: die Werckzeug ingesambt
Der höchsten Wissenschafften:
Sind abgeschafft: hier endt ihr Ambt
Dran manche sich vergafften
Nicht eines wann du es erkiest
Weiß mehr was es gewesen ist.
Die Lippen die es kund gethan
Die Hand in die es kommen:
Die Augen die es schauten an
Die Ohrn die es vernommen:
Sind stumm sind lahm sind blind sind taub
Und alles eine Handvoll Staub.
Drum der du diese Grabschriefft liest
Und hörst mich unterm Sande:
Gedenck an Tod wie hoch du bist
Am Stand und am Verstande:
Du hast nicht einen Schriet zu mir
Dein Grab steht untern Füssen dir.
Du wirst auß deiner Felder Raum
Ein Grab allda zu liegen:
Gewand auß deinem Kasten kaum
Zum Sterbe-Kittel kriegen:
Von Dienern welche dich itzt ehrn
Wird man dich nicht mehr nennen hörn.
Nackt ein nackt zihn wir auß der Zeit
Nichts folgt uns wann wir sterben
Als deß Gewissens Reinigkeit
Das ander bleibt den Erben.
Weib Kind Haus Ansehn Ambt und Gutt
Nihmbstu nicht noch sie dich in Hutt.
Wann es am letzten Abdruck ist
So hilfft dich nichts dein Wissen:
Die Künste so du vor erkiest
Und dein Verstand verfliessen:
Gott sieht bloß deinen Glauben an,
Fehlt dieser dir fehlst du der Bahn.
Der Glauben aber dehn Gott sieht
Muß nichts als Christum wissen:
Muß dich: drauß ewig's Leben blüht
In seine Wunden schlüssen:
Muß ihn und dich in eines ziehn
Denn Gott nimbt sonst nichts an als ihn.
Gott fürchten dieses übertriefft
All' andere Gesetze:
Und Christum lieben: alle Schrifft
Und aller Weißheit Schätze.
Dem heiligen Geiste geben stat
Der Menschen allerklügsten Rath.
Mein Pilgram eines das ist noth
Dasselbe heist: wol sterben:
Kanstu es: du siehst nicht den Tod
Wo nicht: du must verterben.
Wol sterben ist wol aufferstehn
Drauff wart' ich du magst fürder gehn.
Ein Theil ist todt: ein Theil zeigt sich in Kindern hier:
Ein Theil im Ruff: ein Theil in schöner Bücher Ziehr.
Ein Theil im Rath: ein Theil in guter Freunde Noth.
So lebt das gröste Theil. Daß minste das ist todt.
Jedoch was sind die Theil' es lebt die Seele ja.
Ob alle Theile hin; Genung ist sie nur da.