Rede F. B. K. g. S. an ihren Ehe-Herrn F. A. K. M. D den 28. Junii 1676.

By Heinrich Mühlpfort

Ja mein Erlöser lebt Mein Retter ist verhanden

Mich leitet seine Hand itzt durch das finstre Thal;

Ich weiß von keiner Angst ich weiß von keinen Banden

Und bin nun auffgelöst von meines Leibes Qual.

Verwundert Sterbliche nicht meine frische Worte

Daß bey geschloßnem Mund ich so beredsam bin.

Was unver gänglich war schwebt an dem Freyheits-Orte

Tragt die verwelckte Haut und Glieder immer hin.

Ja freylich hab ich lang im Kercker hier gesessen

Wie schrecklich hat mich nicht die Folter-Banck gestreckt

Wie hab ich nicht mein Brod in Angst und Trübsal gessen

Wenn vieler Jahre Reyh mehr Kranckheit mir erweckt

Wenn alle Krafft entfiel den abgeschwächten Gliedern

Gesichte Mund und Ohr auß Ohnmacht fast vergieng

Und den gefallnen Muth kein Artzney kont erwiedern

Indem mein Leben mir an einem Faden hieng.

Nun bin ich franck und frey gesund und lebend worden

Nun weiß ich daß noch Welt noch Fleisch noch Blut mich

Ich wach’ ob ihr mich schon zehlt in der Todten Orden

Und höre hocherfreut wie mich mein Heyland weckt.

Und solte der nicht seyn mein Wecker der mein Leben

Und meines Lebens Heil mein End und Anfang heist?

Solt ich auf seinen Ruff mich auß der

Wenn durch die Todten Bein bläst sein lebendig Geist?

Bethörte Sterbliche! die eingeschrumpffte Wangen

Der Augen tieffe Nacht die heßliche Gestalt

Der Glieder kaltes Eiß der Beine dürre

Der Fäulnis-volle Leib der Würmer Auffenthalt

Erschrecken zwar bey euch die Zärtligkeit der Augen

Jhr wendet Nas’ und Mund von todten Cörpern weg.

Doch glaubet daß sie euch zu stummen Lehrern taugen

Und satsam zeigen an der Ewigkeiten Zweck.

Hier ruh’ ich freylich itzt nur unter Wust und Schimmel

Wo Fäulnüß Vater ist und Würmer Schwestern seyn;

Doch ein gantz neues Kleid das schöner als der Himmel

Wird von deß Retters Hand empfangen mein Gebein.

Und diese meine Haut wird mich auffs neu umbgeben

Daß ich an Klarheit kan den Sternen gleiche gehn.

Ja mein Erlöser lebt und heist sein Glied mich leben

Und läst als Schwester mich zu seiner Seite stehn.

Ach unerschöpffte Lust! das Fleisch das itzt verwesen

Und Asche werden muß soll wieder herrlich blühn.

Denn mein Erlöser lebt so muß ich auch genesen

Und meines Fleisches Kleid zu neuem Glantz anziehn.

Ach Ehre! Welche mich deß Himmels fähig machet.

Ach Nutz! Dem sich kein Schatz der weiten Erden gleicht.

Vergnügung! Daß mein Hertz und S

In dem ich nun den Punct der Seeligkeit erreicht.

Mein Eh-Schatz den nechst GOtt ich eintzig hier geliebet

Der meiner Seelen Seel und Hertzens Hertze war

Was nutzt es daß er sich so inniglich betrübet?

Und stürtzt der Thränen Fluth auf meine schwartze Bahr?

Beseufftzt er daß das Band der süssen Eh zerschnitten?

Daß unsre feste Treu der Tod zerbrochen hat?

Daß drey und zwantzig Jahr so friedsam hin geglitten?

Und niemals sich verkehrt der Liebe göldnes Blat?

So denck er wie allhier kein Bündnüß wird geschlossen

Das nicht die Mörderin die lange Zeit zernicht

Und wie zum offtern mal bey treuen Eh’ genossen

Jm Anfang ihrer Lust dergleichen Rieß geschicht.

Ich kenn auch sein Gemüth er wird mir nicht mißgönnen

Daß neue Klarheit mich für altes Siechthum deckt

Und wäre durch Artzney das Leben zugewinnen

Es hätte seine Kunst mich wieder aufferweckt.

Ich sah’ ihm sehnlich zu die Stärck-Essentzen mischen

Und wie er trinckbar

Und wie er sich bemüht die Geister zuerfrischen

Und dachte mich noch so zu retten für dem Grab:

Allein mein Schatz umbsonst. In den gestirnten Höhen

War mir der Urtheil-Sprnch schon längsten zuerkant

Es ist nur kurtze Frist daß ich voran muß gehen

Ich weiß sein treues Hertz wünscht auch dergleichen Stand.

Klagt er die Einsamkeit daß die ihm sey entnommen

Die stets in dem Beruff so treu’ Gehülffin war

Die mit bewehrter Pfieg’ ihm ist entgegen kommen

Und durch Vergnügligkeit verlängert seine Jahr;

So denck er daß der Tag der grosse wird erscheinen

Der uns die wir getrennt einander wieder giebt.

Ach Krone meines Haupts! Er stille nur sein Weinen.

Wer übermässig traurt der hat nie recht geliebt.

Ich weiß daß unsre Eh’ ein Paradieß kan heissen

Wo Fried und Einigkeit einander stets geküßt

Der Neid sol mir den Spruch von meinem Stein nicht reissen:

Daß ein vernünfftig Weib hoch zu beklagen ist.

Jedoch der jene Glantz in dem ich hier geschienen

Hab ich als Monden nur von seiner Sonn erlangt.

Diß ist mein höchster Ruhm nach seinem Wunsch zu dienen

Und in Gehorsam hat mein treues Hertz geprangt.

Sol

Ach ja! Er trage nur was GOtt ihm aufferlegt.

Es wird sein Vater-Hertz die heissen Schmertzen lindern

Das Wetter wenden ab so auff ihn plitzt und schlägt.

Sein Hochgelahrter Geist er mahne sich in Thränen

Sein tieff gegründter Witz behalte hier das Maß.

Was einmal schlaffen geht erweckt kein ängstlich Sehnen

Er machet nur umbsonst umb mich die Augen naß.

Ich schicke nichts ins Grab als eine Hand-voll Knochen

So itzt die lange Nacht mit Schimmel überwebt

Und dennoch ob mir schon die Augen hier gebrochen

So schan ich GOtt doch an