Redlicher Bürger Bey Absterben Hn. St. Z. abgebildet den 27. Julii 1672.
Wjr scharren Seeliger mit dir auch in die Erde
Ein Stück der Deutschē Treu und Alten Redligkeit;
Und eh’ ich selber noch zu Staub und Asche werde
So sey zum Nachruhm dir der schlechte Reim ge-
Ich wildein ruhig Grab mit Worten nicht beschweren
So eintzig angefüllt mit Zierligkeit und Pracht:
Doch wird der blasse Neid der Feder nicht verwehren
Daß bey der Nachwelt dir sie noch ein Denckmal macht.
Und ob dich zwar geraubt der grimme Menschen-Würger
Und diß was Jrrdisch war uns aus den Augen geht
So bleibst du doch allhier ein Spiegel Werther Bürger
Der noch gemeiner Stadt stets für Gesichte steht.
Der Erden Herrscherin Rom hielt es nicht geringe
Wer diesen Titel hat durch seine Gunst geführt
Und der Gelehrten Schaar bejahte schlechter Dinge
Daß diß Vernünfftigen und Weisen nur gebührt.
Wie mühsam waren nicht die hocherfahrnen Grichen
Von erster Jugend auff die Kinder so zu ziehn
Daß sie zu keiner Zeit von den Gesetzen wichen
Wordurch das Vaterland im Segen konte blühn.
Ob zwar der grosse GOtt den Unterscheid der Stände
Nach seiner Weißheit Schluß hat heilsam ausgesetzt
So lehrt doch die Natur zu welchem Ziel und Ende
Vor andern sie den Mensch offt würdig hat geschätzt.
Jedwede Sterbliche sind nicht zu Kronen tüchtig
Und allen steh’t auch nicht der Pflug und Acker an:
Doch bleibt gemeines Heil auff seinem Grunde richtig
Wenn jeder nur sein Ampt nach Pflicht verwalten kan.
Denn sollen Reich und Land und Städt’ und Dörffer bleiben
So muß der Niedrigste zugleich dem Hohen seyn
Und wer sich zu Athen wolt’ einen Bürger schreiben
Der gieng den andern vor mit seiner Tugend Schein.
Ich wil den Socrates nicht auff den Schau-Platz führen
Und was der Phocion zum Beyspiel hat gethan.
Kurtz: Aller Griechen Witz und embsiges studiren
War wie im Bürger-Stand ein Mensch wol leben kan.
Durch diß ist Rom erbaut als sie die Tugend liebte
Und manchen Freyheits Brieff den Bürgern zugelegt
Ja daß kein Blut-Tyrann die Ordnungen betrübte
So hat man sie in Ertz mit höchstem Fleiß gepregt.
Da ward ein hurtig Geist zur Tugend angefeuret
Wenn man die Bürger-Kron auff seiner Scheitel sah
Der hat hinwiederumb Gehorsam auch gesteuret
Und Pflicht und Redligkeit stund als ein Opffer da.
Wer nun nicht in dem Staub des Pöfels wolte sitzen
Hat durch Geschickligkeit durch Tugend und Verstand
Sich jederjeit bemüht dem Vaterland zu nützen
Und sein getreues Hertz demselben zugewand.
Nicht Cato nur allein hat solchen Preiß erworben
Nicht nur die
Es ist die Redligkeit bey uns noch nicht gestorben
Sie hebt des
Sein auffgemuntert Sinn hat in den grünen Jahren
Nicht bey der Ofen-Banck die edle Zeit verzehrt
Er gieng frisch in die Welt umb da was zu erfahren
Was künfftig einen Mann macht bey den Leuten werth.
Jhn hat Jtalien das Paradiß der Erden
Das Schloß der Gratien und aller Höffligkeit
Holdselig angelockt mit freundlichen Geberden
Jhm Feur und Herd gegönnt und Wohnung zubereit.
Es zeigt’ ihm Padua der Kunst und Weißheit Schätze
Als
Der nachmals Fürst und Haupt Venedischer Gesetze
Von dieses Teutschen Treu ein Zeugnüß geben kan.
Drauff hat Siena ihn mit Klugheit ausgezieret
Der Sinnen Hurtigkeit noch schärffer ausgeübt
Biß das Verlangen ihn auch nach Florentz geführet
Wo er der Sprache Zier und Reinligkeit geliebt.
Ein Welscher kont ihn fast mit Rechte Landsman heissen
Er hatt’ ihm dessen Witz und Mund Art beygelegt
Und was ein Reisender sich eintzig soll befleissen
Daß er die Tugend nur mit sich nach Hause trägt.
Drauff hat Neapolis den
Der Schau-Platz der Natur das Zeughauß aller Lust
So da von Mitternacht mit Hügeln schön umbhangen
Von Mittag aber zeigt des Meeres stille Brust.
Hier sah’ er Floren sich mit Blumen zweymal schmücken
Der Felder Fruchtbarkeit in vollem Wachsthum stehn
So pflegt ihn auch die Art der Bürger zu erquicken
Mit der sie Frembdlingen entgegen können gehn.
Der milde Himmel schien’ ihm allzu wol geneiget
Es war kein Edler Ort den er nicht angeschaut
Biß sie das grosse Rom zu letzt ihm hat gezeiget
Das mehr von Göttern als von Menschen schien erbaut.
Doch diese Wunderwerck’ und schöne Sieges-Bogen
Die prächtige Palläst und Gärte voller Zier
Die haben seinen Sinn so weit niemals bewogen
Daß er das Vaterland nicht allem zöge für.
Dem wolt er nutzbar seyn und auch gewidmet haben
Der Klugheit reiffen Witz der Sitten reinen Glantz.
Wie denn das Vaterland erkante seine Gaben
Und Breßlau legt’ ihm zu der Bürger Ehren-Krantz.
Sein gröster Eifer war dem Höchsten zu gefallen
Und auch der Obrigkeit treu und gewehr zu seyn;
Der Wandel war gerecht und was der Mund ließ schallen
Mit selbtem stimmte schon des Hertzens Meinung ein.
Bey Hohen sucht er Gunst bey seines gleichen Liebe
Gieng mit Bescheidenheit dem Nechsten stets zuvor
Hielt Falschheit und Betrug für rechte Seelen-Hiebe
War aussen nicht ein Schwan und in dem Hertz ein Mohr.
Er ließ sein Christenthum auch in dem Leiden blicken
Nachdem des HErren Hand mit Kranckheit ihn belegt
Und konte mit Gedult sich zu der Hinfahrt schicken
Die nur was sterblich ist an uns zu Grabe trägt.
Er hat den Kampffvollbracht er hat nun überwunden
Von nun an rühret ihn kein Schmertzen keine Qual
Er hat die wahre Ruh bey seinem Heiland funden
Und schwebt voll Freud und Lnst in dem gestirnten Saal’!
Sie
Der jetzt der grimme Schlag das Hertze bricht entzwey
Die sich ob diesem Fall von Grund der Seelen kräncket
Und derer Leid vermehrt der Kinder Klage-Reyh;
Wird so ihr Haupt und Hertz doch zu betrauren wissen
Daß sie des Höchsten Schluß und Willen auch erkennt
Und mußste schon anjetzt des Liebsten Treu vermissen
So bleibt doch GOtt ihr Freund der Schutz und Schirm
Sein wolerworbner Ruhm wird nicht in Sand begraben
Der Tugend Kertze brennt auch durch des Grabes Nacht
Er kan von gantzer Stadt diß Ehren-Zeugnüß haben:
Daß