Reise hinter Neaples

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Soll hier ein Helicon voll Lorbeer-Zweige prangen

Wo nichts als dürre Stein und rauhe Felsen sind

Wo den Cypressen-Baum der Dornstrauch hält umfangen

Und Clio einen Krantz von Todten-Eppig bindt.

Wo statt der Sonne Nacht und Finsternis regieren

Die viel-beschlangte Schaar der Musen Ort vertritt

Den Wagen der Vernunfft ein Kind und Blinder führen

Furcht Zweiffel Lieb und Haß in einem Hertzen wütt?

Die Erde Lybiens der Mohren heißes Land

Kocht von der Sonne nicht wie mein verbranntes Hertze:

Puzolens gelber Berg Vesevens todter Sand

In dessen Abgrund brennt so manche Schwefel-Kertze

Ist Schnee und Eiß bey mir. Soll Aganippe fliessen

Wo sich Lovitus Flutt Avernus trüber See

Der todten Hoffnung Meer in Thränen-Bäch ergiessen

Und scharffe Nesseln stehn für angenehmen Klee

Um die das nasse Saltz mit seinen Wellen spielet?

Geht hin ihr Musen geht sucht andern Auffenthalt.

Hier sind die Quellen nicht wo seine Hitze kühlet

Ein Tichter angeflammt von himmlischer Gewalt.

Hier ist ein trocknes Bad darinn mein matter Geist

Verschwitzet seine Krafft; mein Saltz mein schlechtes Wissen

Wird durch ein zweyfach Thor der Augen ausgeweist:

Was übrig sey könt ihr aus diesem Saffte schlüssen.