Reisefluch

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Ach was treibt der Erde Söhne

Sich zu suchen ferne Leiden?

Grüßen uns die schönsten Töne,

Klagen sie ihr schnelles Scheiden,

Und es schließet eine Stille

Unsrer Hoffnung reiche Fülle.

In der Fremde stehen Tische,

Jungfraun schwingen Rosenketten,

Lieblich wohnet da die Frische,

Und wer möcht' sich da nicht betten,

Und wer bliebe wohl zu Hause

Von dem festlich hohen Schmause?

All ihr Wandrer, bleibt zu Hause,

Denn ihr sucht, was nicht zu finden,

Denn die Rose welkt beim Schmause

Und die Dornen euch umwinden,

Und zerreißt ihr nicht die andern,

Müßt ihr selbst zerrissen wandern.

Dennoch treibt's mich zu den Bergen,

Aus der gleichen breiten Fläche,

Mich der Sonne zu verbergen

Und zu sehn den Quell der Bäche,

Und den Demant aufzufinden,

Der so selten in den Gründen.

Dort erstarrt der Liebe Athem,

Demant wird die flüssige Quelle,

Meinst du dann, du hast's errathen,

Wo des Demanthauses Schwelle,

Kommst vom Berge mit dem Eise,

Es zerschmilzt in Thränen leise.