Rektor Debisch

By Wilhelm Busch

Written 1870-01-01 - 1870-01-01

Knopp begibt sich weiter fort

Bis an einen andern Ort.

Da wohnt einer, den er kannte,

Der sich Rektor Debisch nannte.

Er erteilet seinem Sohn

Eben eine Lektion,

Die er aber unterbricht,

Als er Knopp zu sehen kriegt.

Zu dem Sohne spricht er dann:

„Kuno, sag ich, sieh mich an!

Höre zu und merke auf!

Richte itzo deinen Lauf

Dahin, wo ich dir befehle,

Nämlich in die Kellerhöhle.

Dorten lieget auf dem Stroh

Eine Flasche voll Bordeaux.

Diese Flasche, sag ich dir,

Zieh herfür und bringe mir!“

Kuno eilet froh und prompt,

Daß er in den Keller kommt,

Wo er still und wohlgemut

Etwas von dem Traubenblut

In sich selbst herüberleitet,

Was ihm viel Genuß bereitet.

Die dadurch entstandne Leere

Füllt er an der Regenröhre. –

Rotwein ist für alte Knaben

Eine von den besten Gaben:

Gern erhebet man das Glas.

Aber Knopp der findet was.

„Ei“ – spricht Debisch – „dieses ist,

Sozusagen, Taubenmist.

Ei, wie käme dieses dann?

Kuno, sag ich, sieh mich an!!“

Drauf nach diesem strengen Blick

Kommt er auf den Wein zurück.

Aber Knopp verschmäht das Glas,

Denn schon wieder sieht er was.

„Dies“ – spricht Debisch – „scheint mir ein

Neugeborner Spatz zu sein.

Ei, wie käme dieses dann?

Kuno, sag ich, sieh mich an!!

Deiner Taten schwarzes Bild

Ist vor meinem Blick enthüllt;

Und nur dieses sage ich:

Pfui, mein Sohn, entferne dich!! –“

Das ist Debisch sein Prinzip:

Oberflächlich ist der Hieb.

Nur des Geistes Kraft allein

Schneidet in die Seele ein.

Knopp vermeidet diesen Ort

Und begibt sich weiter fort.