Religio Medici. Sect. 2. cap. 1. de Charitate.
Die tugend so mit recht der menschen ancker heisset
Die GOttes finger selbst die reine liebe nennt
Und derer schatten offt die größte macht umbreisset
Ists derer rötel ich nicht selten hab erkennt.
Diß was des vaters sinn in meinen hat gepflantzet
Ist dieses was mir stets nach ihrem zucker schmeckt.
Es hatte sich mein sinn in ihren wall versehantzet
Und ihre flacken stets zu meinem ziel gesteckt.
Wo die zergliederung der eignen sinnen weiset
Ein etwas das man wol mit rechte glauben mag;
So scheints als wär ich nur in ihrem land gereiset
Und anckerte nur bloß bey ihrer niederlag.
Es scheint alß wär ich gantz von ihrer hand gebohren
Alß wäre jedes glied nach ihrem sinn gemacht
Alß hätte die natur zum muster sie erkohren
Und jede zierath uns aus ihrer schooß gebracht.
Denn ich kan jede art der menschen wohl vertragen
Mein auge siehet den und jenen freundlich an.
Ich kan auch keinem nicht ein schlechtes wort versagen
Und schwere ungescheut zu treuer freunde fahn.
Mein auge zung und mund kan keinen eckel haben
Ich fühle keine gall in meinen adern nicht
Es kan mich frosch und schneck so wie lampreten laben
Mein mund ißt beydes doch als edelstes gericht.
Wenn beydes mir ein tisch zugleiche trägt und weiset
So greiffet meine hand von beyden gleiche zu
Wenn einer has’ und reh der dort phasanen speiset
Jß’t dort mein mund so wohl als hier von einer kuh.
Das kraut das bey dem grab auf todten beinen wächset
Schmeckt mir so wohl als das was in den gärten steht;
Vor dem ein zarter mund auß durst und dürre lächzet
Das schlucket meine kehl eh krafft und geist vergeht.
Seh’ ich gleich schlang und spinn und Basilisken kommen
So greiffet meine hand nach keinem steine nicht
Vor kröten habe ich die flucht noch nie genommen
Vor denen dieser doch und jener sich verkricht.
Die feindschafft so man sonst in andrer adern sindet
Hat niemahls bey mir wolln auch nur beherbergt seyn
Denn wo man haß und neid mit einem bande bindet
Da schläfft die liebe selbst in solchen windlen ein.
Frantzosen können nicht die Spanier vertragen
Doch schau ich beyde stets mit gleichen augen an
Was diese von der list und die von hoffart klagen
Das hat die feindschafft offt auch ohne recht gethan.
Ich kan in beyden ja die klugen geister rühmen
Diß was die höffligkeit an beyden vorgestellt
Wie jeder seinen fehl mit klugheit kan verblühmen
Ist was an jedem mir mit rechte wohlgefällt.
Das hertze Schlesiens hat mich zur welt gebo hren
Doch scheints als wäre ich nach jedem ort gemacht.
Ob mir zwar Breßlau ist zur mutter-stadt erkohren
So ist ein ieder ort von mir doch wehrt geacht
Ich bin nicht solch ein baum der nur in gärten grünet
Und blumen die nur bloß in weyden-erde blühn.
Ein selabe der niemand alß seinem herren dienet
Und schwalben gleicher art die vor den winter fliehn;
Ein ieder ort kan mir mein vaterland ja werden
Wo mir vergnügung legt des glückes weisen stein.
Es nährt mich jedes land und trägt mich jede erden
Und jeder ort kan mir mein wehrtes Breßlau seyn.
Ich bin bey rauhem sturm in wassers-noth gewesen
Und hasse fluth und schiff und wind und wellen nicht.
Ich habe offt bey blitz und donner doch gelesen
Mir hat kein wetter auch den schlaff und spiel vernicht.
Ich müste mich ja selbst zu einem lügner machen
Es hielte meine red und feder ja nicht stich
Wenn ich was hassen solt’ auch unter allen sachen;
Vier wörter schreib ich noch: den teuffel hässe ich.