Res est solliciti plena timoris amor

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

O Ihr Außzug meiner Frewden

Dem mein Hertz sich vntergiebt,

Müsst Ihr eben von mir scheiden,

Da Euch meine Seele liebt?

Gebt Ihr mir schon gute Nacht,

Nun Ihr erst mich auffgebracht?

Könnet jhr kein Mittel finden

Das Euch hie behalten kan?

Sagt was von den rauhen Winden,

Von dem kalten Winter-Mann,

Der solch Vngemach erregt

Vnd so sehr zu stürmen pflegt!

Sollet Ihr zu Lande reissen,

So gedenckt der KriegesGlut,

Redet stets vom Brand vnd Eissen,

Von der Mörder wilden Muth,

Sagt: es sey zu Land vnd Meer

Jetzt das grösseste Beschwehr.

Klaget vber ewre Glieder,

Sprecht: es sey euch Kost vnd Tranck

Zu geniessen, gantz zu wieder,

Esst genöttigt vnd durch Zwang!

Vielen hat zu seiner Zeit

Kranck zu liegen nicht gerewt.

Trewe Lieb' ist allermassen

Witzig, Sinn-reich vnd gelehrt,

Kan mit jedem Griff erfassen

Was die klügsten auch bethört.

Wer nicht wol zu dichten weiß,

Hat im Lieben keinen Preiß.