Rodomonds Testament
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Nachdem das Lebens-Oel in heißer Glutt verzehret
Und mein entmarckter Leib zu leben nicht begehret
Fuß ich den lezten Schluß in wenig Zeilen ein
Und soll die jüngste Bitt an meinen Herren seyn
Um mir erzeigter Lieb und treuen Dienste willen
Was mein halb todter Geist begehret zu erfüllen.
Der Seele: die bey mir seit ihrer ersten Flucht
Die sechsmahl-zehnde Stell und Wohnung ihr gesucht
Die manches Helden Leib vor diesem hat belebet
Die Wechsels-weiß um Thier und Menschen hat geschwebet
Die bald ein munter Pferd bald ein gefürchtes Schwein
Bald ein beherzter Bär und Lewe müssen seyn
Biß daß sie mit der Zeit in meinen Cörper kommen;
Nun das Verhängnis ihr auch diesen Sitz genommen
Nimmt sich kein ander Thier mit meinem Willen an
Als Mavors eignes Kind ein kriegerischer Han
Der sich im Streit und Kampff nach meinen Sitten übet
Und muntre Wachsamkeit vor saule Ruhe liebet.
Mein treues Hertze schreibt die wahre Danckbarkeit
Dem werthen Herren zu bey dem ich meine Zeit
Vergnügend zugebracht. Das Fell will ich bescheiden
Nach jenes Kämpffers Art die Drummel zu bekleiden
Die wider meine Feind in steten Krieg soll ziehn
Vor der ein feindlich Heer der Katzen soll entfliehn.
Die weiche Lager-Statt des Herren milde Gaben
Soll Vetter Goliath als Erb und Nachfahr haben
Dem der den müden Geist der schweren Last entbindt
Bleibt als ein Eigenthum mein lezter Leibes-Wind.
Den hinterlassnen Rest der abgelebten Glieder
Leg eines Freundes Hand ins Grab fein sanffte nieder
Und wo mein treuer Dienst so viel erworben hat
So decke mich manch Myrth- und Oel- und Pappel-Blat.
So wird mich Cerberus mit vollem Hals empfahen
Wenn sich mein Schatten wird zu seiner Hütte nahen
So werd ich Hecatens Gefert und Diener seyn
Und sich der Ewigkeit mein Nahme schreiben ein
Den ich mit eignem Blutt in diese Zeilen ätze
Und daß man selbe nicht vor unvollkommen schätze
So zeuge wer du diß Papir mit Augen siehst
Daß drauff mein lezter Will und Schluß verfasset ist.