Ruhe der Seelen in Gott
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Ach wo soll ich Ruhe finden
Für den Ohnmachts-vollen Geist?
Wenn der Sonnen Glantz verreist
Und des Tages Kräffte schwinden
Eil ich zwar dem Lager zu
Doch wo findt das Hertze Ruh?
Nach der rauhen Stürme Bellen
Welche manches Schiff bekriegt
Unter Furcht und Angst gewiegt
Eilt es bey gestillten Wellen
Auff den sichren Hafen zu
Wo findt meine Seele Ruh?
Nimmt der lange Tag ein Ende
So hört auch der Arbeit Lauff
Und das heisse Schwitzen auff
Müde Rücken matte Hände
Werden frey von ihrer Last:
Wo findt meine Seele Rast?
Auff der Wolcken nasses Weinen
Zeiget sich der Sonnen Licht;
Wenn der kalte Winter bricht
Muß die Frühlings-Lust erscheinen
Für mein trübes Hertz allein
Will nicht Licht nicht Sonne seyn.
Vogel nehmen unter Zweigen
Grüner Bäume sichern Stand
Thiere streichen durch das Land
Haben doch ihr Lager eigen
Ruhen offt bey düstrer Nacht
Wenn mein feuchtes Auge wacht.
Ob ich bey den eitlen Freuden
Irrdsche Ruhe suchen will
Fehl ich doch das rechte Ziel.
Lust wird mir zu Last und Leyden
Was ich mich zu zwingen thu:
Wo findt meine Seele Ruh?
Nehm ich Zuflucht zu den Höhen
Dieser ungetreuen Welt
Manches Fall-Bret ist gestellt
Wo man sicher denckt zu stehen
Gunst verschwindt in einem Nu:
Wo findt meine Seele Ruh?
Herr des Himmels und der Erden
Zeige mir die gutte Bahn
Wo ich Ruhe finden kan
Wo ich sicher für Beschwerden
Frey für Creutzes-Bangigkeit
Schließ im Frieden meine Zeit.
Unter deine Gnaden-Flügel
Berg ich mich und ruhe wohl;
Wird das Hertz offt Traurens voll
Laß ich ihm doch nicht den Zügel
Bey dir findt die Seele Rast
Welche du geschaffen hast.
Nun so last das Hertze puffen
Last das Aug in Thränen stehn
Und den Pulß mit Zittern gehn!
Mein Geist soll zum Herren ruffen
Unter aller Angst und Noth
Ruhet meine Seel in GOTT.
Diß was Erde nicht kan geben
Was die Welt umsonst verspricht
Mangelt mir bey Gotte nicht
Trost und Hülffe Ruh' und Leben
Für das Volck das Gott vertraut
Ist die Ruhstatt doch gebaut.