Ruhe im alter auf unruh in der jugend, Bey Herrn J. M. Leichen-begängniß. D. V. ...
Wer in dem frühling seiner jahre
Gar wenig still gesessen hat,
Und kömmt im alter auf die bahre,
Der schwitzet früh und ruhet spat.
Er weiß sich in die zeit zu schicken,
Und wenn sie kommt, auch abzudrücken.
Wie, wenn ein schiff die stoltzen wellen,
Nach Sud und Nord, nach Ost und West
Sich hin und her hat lassen prellen,
Jm port die segel fallen läst:
So kan, wer jung viel ausgestanden,
Mit guter ruh im alter landen.
Herr München ist es so gelücket,
Daß er, nach seiner jugend last
Die ruh im alter hat erblicket,
Und nun im himmel gantz umfaßt.
Die sonn ist ihm hier aufgegangen,
Dort aber kann er sie umfangen.
Er stammte her aus edlen blute,
Und wurde jung zur friedens-zeit.
Jhm aber kam es nicht zu gute;
Auf friede folgte krieg und streit,
Was hat er in den frühlings-jahren
Vor frost und hitze nicht erfahren?
Ein edler geist ist wie die slammen,
Die über rauch und flammen gehn:
Wenn alles unglück kommt zusammen,
Bleibt er in vollem glantze stehn.
So wuste sich Herr Münch zu schicken,
Was hat ihn können unterdrücken?
Er gieng aus seinem vaterlande,
Und kam bey großen Herren an,
Mit was vor treu, witz und verstande
Hat er es andern vorgethan?
Des Käysers freund, rath und legate
Erfuhr, was seine feder thate.
Was sag ich mehr von andern proben,
Die Franckreich, Deutsch- und Niederland
In seinen reisen muste loben,
Es liebt ihn, wer ihn nur gekannt.
Was wunder, daß er hier in Sachsen
In frieden endlich hochgewachsen?
Die göldne zeit, der edle frieden,
Kam endlich wieder bey uns an,
Wie hat ihm da, als einem müden,
Die ruh auch sanfft und wohlgethan.
Des landes schatz war bey den linden,
In seiner treuen hand zu finden.
Da ruht’ er nun bey viel beschwerden,
War GOtt und seinem Fürsten treu;
Und da ihn GOtt nimmt von der erden,
Bleibt sein andencken frisch und neu.
Sein guter ruhm wird bey uns bleiben,
Weil man wird steuer-zeddul schreiben.