S chertzhaffte G edancken bey den Nahmens-Tag eines guten Freundes.

By Christian Friedrich Hunold

Geliebter Hertzens Freund! Mein gestriges Versprechen

Heist meinen schlechten Kiel dir heute dienstbar seyn;

Doch deine wehrte Hand wird hier nichts kluges brechen

Denn unsre Losung hieß: Sauff aus schenck wieder ein

Der edle Reben-Safft will noch nicht Abschied haben

Und wischt in dem Gehirn die klugen Grillen aus

Es lieget die Vernunfft im Magen mit begraben

Und was ich gestern soff will heute wieder raus.

Juch hey sa klinget mir noch stets vor meinen Ohren

Wie ruffte doch so schön das Echo wieder drauf.

Man frißt und säuffet gleich so bald man wird gebohren

Drum wartet uns zur Lust auch gestern Bachus auf.

Dein froher Nahmens-Tag ist nützlicher begangen

Als mancher Käyser ihn in seinen Land bestellt.

Es darf den edlen Wein des Pöbels Durst nicht fangen

Weil die Verschwendung nicht bey dir die Hof-Stadt hält.

Nein dieser theure Tranck den uns der Rhein gegeben

Fleißt lieblicher in uns als in die tolle Brut

Es bleibet doch der Wein die Qvintessentz im Leben

Er stärckt die Mutter wol und ist dem Vater gut.

So schön als nun der Wein im Glase hat gesehen

So delicat er dir in deine Kehle floß

So schön wird heute dir auch die Vergnügung stehen

Ich weiß die Farbe gibt sich an der Stirne bloß.

Jedoch ich wil den

Hier ist ein treuer Wunsch aus der getreuen Brust:

Halt was? Es will mir gar kein netter Reim gelücken

Drum Prosit nur einmahl mich deucht du hast gehust.

Halt Prosit bringt den Kopff noch endlich in die Falten

Nun kömmt die Poesie gestolpert auf das Blat

Der gestrige Discurs den wir dabey gehalten

Der ist der meiner Noth noch ausgeholffen hat

Ich darff es dem Papier so wol als dir vertrauen

Es ist so stumm wie du und dein verschwiegner Mund

Und solt es unverhofft ein fremdes Auge schauen

So weiß es doch so viel als unser Butel-Hund.

Nimm denn getreuer Freund! Den Wunsch aus treuen Hertzen

Der Galgen werde dir in rechten zu erkandt.

Deiu Nahme heisset mich Herr Müller mit dir schertzen

Ich habe nenn' ich dich schon einen Dieb genandt

Ein Dieb der neulich nur was kostbares gestohlen

Und zur Verwegenheit es allen lässet sehn.

Wenn die aus Leipzig kommt und will es wieder holen

(du weist wohl was es ist ) wie wirst du da bestehn?

Dir muß die Facultät das Hängen zu erkennen

Du hast den Strang darzu so knüpffe dich nur an:

Den Galgen wil ich auch die schöne - - nennen

So hänge weil ich dich Herr Müller heissen kan.

Doch ein gehangner Dieb ist zu anatomiren;

Ach! armer Müller ach! wie würde dirs ergehn?

Ich seh' im Geiste schon das schöne Werck vollführen

Und eine Legion von Jungfern üm dich stehn.

Viel wollen sich das Maul zum Zeitvertreibe nehmen

Und stecken zum Voraus die Zungen gar hinein

Du weist wol daß sich jetzt die Mädgen nicht mehr schämen

Die - - doch der Kiel wil mehr als alle züchtig seyn.

Diß wil in - - - mir die Erfahrung lehren

Die Meisten in der Stadt sind von der schönen Art

Welch tugendhaffter Geist erstaunet nicht zu hören

Daß sich das Geile Volck wie Mann und Weibchen paart.

Die Eine wil sich gleich mit deinem Haar staffieren

Es läst dein reiner Kopff kein kleines Thierlein sehn

Doch manche die sich wil mit Favoritgen zieren

Läst den so es beliebt in reiffe Nüsse gehn.

Die Andre wil sofort nach deiner Nase reichen

Denn hier ist Reinlichkeit kein Dreck noch Schnaub-Toback

Doch ihre könte sich dem Nacht-Stuhl wol vergleichen

Und trieffet ärger noch als wie ein Laugen-Sack.

Die blauen Augen sind der Dritten ausgesetzet

Die so wie eine Ganß bey Wetterleuchten schielt

Der man die Butter recht nach dem Gewichte schätzet

Die sie des Morgens früh in beyden Augen fühlt.

Die weissen Zähne hat die vierdte sich ersehen

Der schon das gantze Maul durch Scharbock faulen muß.

Der Fünfften pflegen denn die Lippen anzustehen

Warum? Ihr Rüssel kriegt gar selten einen Kuß.

Die Sechste lässet sich den süssen Halß verschreiben

Die vor Ziebeth ein Aaß in ihren Athem legt

Bey der man nicht so wol kan vor Geruche bleiben

Als wenn die saubre Hand Gemächer ausgefegt.

Zu den geraden Leib wil sich nun auch beqvemen

Ein dickes Kiebel-Faß die so am Hüften hinckt.

Den wol gemachten Fuß wil eine Lahme nehmen

Und deren krummes Bein wie Bothen-Füsse stinckt.

Die Waden die vorlängst wer weiß es abgestossen

Gehn itzo einen Tausch mit deinen Schenckeln ein:

Die Mädgen meistentheils gedencken drum zu losen

Denn wenige sind nur von d

Das hinterste Castel sol Jungfer Gretgen zieren

Die ihre Lufft wie du so gut nicht halten kan

Die unsre Nasen pflegt so offt zu bombardiren

Die solche Seufftzer gar im Tempel hat gethan.

So viel kan nur ein Mann den armen Dingern schencken

Die doch bey jeden Schritt wie Pfauen-Schwäntze gehn

Die auff den besten Kerl mit Stichel-Reden dencken

Und ihre Fehler nie in einen Spiegel sehn.

Die dich mein werther Freund! so wol bestehlen würden

Wenn sich die Wirckung nur nach meinen Wunsch erklärt.

Doch nein denn ihnen thuns wol grobe Kühe-Hirten

Und deine Glieder sind noch mehr als ihrer werth.

Indessen müsse dich das Glück so vielmahls küssen

Als wol die Männer Noth die lieben Mädgen qvält

Und als sie selbsten sich die Lust zu büssen wissen

So weiß ich daß man es mit Millionen zehlt.