S ie liebet ihn wieder.

By Christian Friedrich Hunold

Mein Glücke will mich freundlich küssen

Und Wermuth gleichen Schmertz durch Nectar-Wein

versüssen

Der Himmel rinnt von Perlen-Thau

Er öfnet meiner Brust den Uberfluß von Schätzen

Und will die Seel auf keinen Bau

Von irdischer Vergnügung setzen.

Ich weiß mit Noht und Leid zu schertzen.

Es brennen nun in mir wohl tausend Freuden-Kertzen.

Ich geh' auf einer Rosen-Bahn.

Nach schwartzer Nacht muß mir die Sonne klärer scheinen

Der süsse Morgen bricht nun an

Und Lachen folget nach dem Weinen.

Kein Centner kan die Schmertzen wiegen

Die erst auf meiner Brust durch Zweiffel musten liegen

Nun fliehen sie wie Staub in Wind:

Daß machet deine Hand kan lindern und auch drücken

Und wie der Treue Wercke sind

Nach der Erkentniß auch erquicken.

Und darff ich mir gleich nicht versprechen

Mein Glücke werde nun die Knospen gäntzlich brechen

Vielleicht daß es doch bald geschieht.

Dem Maulbeer-Baum ist offt die Freude zu vergleichen

Daß beydes nur am letzten blüht

Um auch zu erst die Frucht zu reichen.

Daß ich dir stets getreu gewesen

Kanst du aus der Gedult in Marter Wochen lesen

Drum gönne mir dein Freuden-Fest

Und lasse mir geneigt nach Sturm und Jammer-Winden

Auch deinen süssen Gnaden-West

Und meiner Sehnsucht Uffer finden.

Mein Engel nimm auf Brust und Wangen

Nun meinen keuschen Kuß und brennendes Verlangen

Ich will dein treuer

Weil du der Helena in allen zu vergleichen

Drum lasse mir zum Hafen ein

Die Seegel reiner Liebe streichen.