Salò

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Straßen, arm an Sonnenschein,

Kieselpflaster, spitz und klein,

In der kellerkühlen Luft

Käse-, Öl- Limonenduft,

Trockner Fisch, Johannisbrot

Und was sonst zum Schmausen not,

An den Fenstern junge Fraun,

Die aus schwarzen Augen schaun,

Kinder mit zerzaustem Haar,

Dem kein Kamm gefährlich war,

Dunkle Läden, vor der Tür

Fleißig Handwerk für und für,

Draußen überm blauen See

Möwen kreischend in der Höh,

Fern im goldnen Sonnenstrahl

Greises Berghaupt, weiß und kahl,

An dem Hafen dichtgereiht

Kleine Barken, fahrtbereit,

Aus der Ferne dann und wann

Schrillt des Dampfers Pfiff heran,

Männer, im Café zuhauf,

Blicken von der Zeitung auf,

Ihres süßen Nichtstuns froh – –

„Wenn ich solche Worte singe,

Braucht es dann noch großer Dinge,

Dich zu preisen“, mein Salò?