Schädliche Unachtsamkeit.
Hat etwan ein geschickter Künstler ein schönes Bild durch
Kunst gemacht;
Beschaut man solches ja, bewunderts, und, im betrachten,
lobt man ihn.
Mit den so herrlichen Geschöpfen, die selber GOTT her-
vor gebracht,
Ob sie gleich tausend mahl so schön, will niemand sich so
viel bemühn.
Mich deucht, ich find’ in der Verachtung von GOttes Wer-
cken, eine Spur
Der durch den Stoltz in unserm Fall verdorbnen menschli-
chen Natur.
Wir raubten, stünd es nur bey uns, der ewgen Gottheit
gern die Cron',
Und setzten, voller Stoltz und Frevels, uns selber gern auf
Seinen Thron.
Es zeiget dieß verfahren klar, wie ungern wir der Seelen
Krafft,
Dem Schöpfer aller Welt zu Ehren, gebrauchen, und wie
unschmackhaft
Uns Seine Wunder-süsse Gaben, womit Er uns beschen-
cket, sind.
Er macht uns Freude, wir uns fühllos; Er macht uns se-
hend, wir uns blind.
Dadurch nun, daß die, bloß von Stoltz und Eitelkeit er-
füllte, Brust,
Durch aller ihrer Sinnen Thüren, von GOTTES Allmacht
nichts empfindet;
Raubt man so gar, so viel an uns, des Schöpfers Lust, der
Seine Lust,
O Liebe! bey den durch Sein Werck gerührten Menschen
Kindern, findet.
Ist denn hiedurch, da wir iedoch zu diesem edlen Zweck er-
kohren,
Des Schöpfers Weisheit, Lieb’ und Macht für uns nicht
leider gantz verlohren?