Schäfergedicht Auf den hochzeitlichen Ehrentag des vor- nehmen Herrn Jost Donten...

By Georg Neumark

Ich hätte nimmermehr bey mir gedenkken können

Was die getreue Lieb’ in manches Menschen Sinnen

Vor Schmertzen bringt zuweg’ und was sie stifften kan

Jm fall ichs nicht gesehn am Schäfer Kloriman.

Es jammert seiner mich. Ich wils mit wenig Wörtern

Auffs kürtzste wie ich kan dir teutsches Blut erörtern

Nur thu mir diesen Dienst du redlichs Hertze du

Verzeih der schlechten Red’ und höre günstig zu:

Umb eben jene Zeit wenn Föbus mit den Pferden

Den Morgen führet ein der Mexikanschen Erden

Und bey uns Abend macht gieng ich am Weisselfluß

Umb was zu linderen den schwehren Uberdruß

Spatziren auf und ab; in dem ich nun besinne

Bey mir bald dieß bald das werd’ ich von weitem inne

Des Schäfer Klorimans der sonst mit freyem Muht

Und edler Tapfferkeit verlachte diese Gluht

Die Amor fechelt auf; der sag ich gieng und nagte

Am Daumen wie verwirrt als einer welchen plagte

So manche Hertzensangst; Er war schon wie halb tod;

Er irrte hin und her; Es trieb’ ihm seine Noht

Viel tausend Seufftzer auß; Ein rohtvermischt Erblassen

Schoß ihm auß dem Gesicht’; Er wuste nicht zu fassen

Was einen trösten mag; Sein bittres Hertzeleid

War Ursach daß sein Vieh lieff hie und da zerstreut.

Ich sah’ ihm welter zu es that mir weh im Hertzen

Daß dieser arme Hürt’ erlitte solche Schmertzen.

Der müste ja ein Klotz und nicht ein Mensche seyn

Der kein Mikleiden trüg’ ob eines andern Pein.

Drauf gieng er nach dem Pusch’ und ließ die matte Glieder

Da unter einem Baum’ in dikkem Grase nieder;

Stützt auf das Knie die Hand legt in die Hand den

Kopff

Und griltte mancherley der unglükselge Tropff.

Er nam sein Seitenspiel so er stets bey sich führte

Fieng es zu stimmen an und solches sanffte rührte

Vermischte seine Stimm’ in seiner Seiten Klang

Mit wiederhohlten Ach und dieses Liedchen sang.

Dieß waren Wort und Weis’: