Schäfergedicht Auf den hochzeitlichen Ehrentag des vor- nehmen Herrn Jost Donten...
Ich hätte nimmermehr bey mir gedenkken können
Was die getreue Lieb’ in manches Menschen Sinnen
Vor Schmertzen bringt zuweg’ und was sie stifften kan
Jm fall ichs nicht gesehn am Schäfer Kloriman.
Es jammert seiner mich. Ich wils mit wenig Wörtern
Auffs kürtzste wie ich kan dir teutsches Blut erörtern
Nur thu mir diesen Dienst du redlichs Hertze du
Verzeih der schlechten Red’ und höre günstig zu:
Umb eben jene Zeit wenn Föbus mit den Pferden
Den Morgen führet ein der Mexikanschen Erden
Und bey uns Abend macht gieng ich am Weisselfluß
Umb was zu linderen den schwehren Uberdruß
Spatziren auf und ab; in dem ich nun besinne
Bey mir bald dieß bald das werd’ ich von weitem inne
Des Schäfer Klorimans der sonst mit freyem Muht
Und edler Tapfferkeit verlachte diese Gluht
Die Amor fechelt auf; der sag ich gieng und nagte
Am Daumen wie verwirrt als einer welchen plagte
So manche Hertzensangst; Er war schon wie halb tod;
Er irrte hin und her; Es trieb’ ihm seine Noht
Viel tausend Seufftzer auß; Ein rohtvermischt Erblassen
Schoß ihm auß dem Gesicht’; Er wuste nicht zu fassen
Was einen trösten mag; Sein bittres Hertzeleid
War Ursach daß sein Vieh lieff hie und da zerstreut.
Ich sah’ ihm welter zu es that mir weh im Hertzen
Daß dieser arme Hürt’ erlitte solche Schmertzen.
Der müste ja ein Klotz und nicht ein Mensche seyn
Der kein Mikleiden trüg’ ob eines andern Pein.
Drauf gieng er nach dem Pusch’ und ließ die matte Glieder
Da unter einem Baum’ in dikkem Grase nieder;
Stützt auf das Knie die Hand legt in die Hand den
Kopff
Und griltte mancherley der unglükselge Tropff.
Er nam sein Seitenspiel so er stets bey sich führte
Fieng es zu stimmen an und solches sanffte rührte
Vermischte seine Stimm’ in seiner Seiten Klang
Mit wiederhohlten Ach und dieses Liedchen sang.
Dieß waren Wort und Weis’: