Schertz-gedancken

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Cupido faßte dich vergangen zu gesichte

Er nahm den besten pfeil und griff den bogen an

Ich schaute wie er ihn nach deinem hertzen richte

Ich sprach: es ist nunmehr um Flavien gethan.

Als aber dieser schalck genugsam angeschauet

Des angesichtes glantz so heller ist als tag

Das haar wo ihm das gold ein bergwerck auffgebauet

Und sonnen-strahlen selbst mit ehren trotzen mag;

Die schönen zauberin die fleischichten rubinen

Die augen wo das pech sich in den schnee gesetzt

Die wangen welchen selbst Aurora wünscht zu dienen

Der hals der auch den schwan in seiner pracht verletzt

Die brüste so den witz in kurtzem können blenden

Die schultern so den stuhl der schönheit angericht;

So fiel der bogen ihm aus den geschwinden händen

Und sprach: dergleichen pracht führt auch die Venus nicht.

Er sanck ihr auff den hals mit mehr als tausend küssen

Es konte nicht sein mund von ihren lippen gehn

Er ließ das süßte gifft auf ihre zunge fliessen

Und in der reinen flut die heisse glut entstehn.

Er bließ ihr in den mund was buhlschafft kan erregen

Was amber in sich hält und bisem mit sich führt

Was Paphos geben will und Cypern denckt zu hegen

Was kalte geister regt und schlaffe sehnen rührt.

Er schwur bey seinem pfeil und seiner mutter brüsten

Der schönen Flavia zu gönnen ihre ruh;

Er sagte: Werd' ich mich mehr wider diese rüsten

So schlage Jupiter mit blitz und donner zu!

So tadle mich nun nicht weil ich dir stets gesaget

Daß deine küsse sind mit anmuth angethan;

Das was mir itzt an dir am meisten mißbehaget

Ist dieses daß dein geist mich nicht recht lieben kan.