Schertz-gedancken als er sie hincken sahe.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Verzeihe schönstes bild wann meine reimen hincken

Wenn alle syllben nicht in gleichen schrancken stehn

Wann offt die wörter selbst aus dem gewichte sincken

Und nicht wie sichs gebührt in steiffer ordnung gehn;

Sie lernen es von dir: denn als ich dich erblickte

Wie sich dein einer fuß nicht gar zu wol bequemt

Und dich bey jedem tritt fast zu der erden drückte

Ward hand und feder mir von stunden an gelähmt.

Kan hand und feder nun nicht eben zierlich schertzen

Steckt keine lieblichkeit in dieser engen schrifft;

So liegt die schuld an dir weil dein zu strenger schmertzen

Mir alle sehnen hemmt und durchs geäder trifft.

Wiewol mein brief will sich auch hinckend zu dir fügen

Er stellt sich eben so wie du erbärmlich an

Und kan man rath und trost aus frembdem kummer kriegen

So glaub ich daß er dich gewiß auch trösten kan.

Schau nur wie kläglich er wil hin und wieder sincken

Wie alle syllben fast auf krancken füssen gehn

Und wie die wörter selbst von allen seiten hincken

Was letzt soll geht voran was erst willetzlich stehn.

Nicht lache schönstes bild es taumlen hand und sinnen

Du schaust allhier die frucht verwirrter traurigkeit;

Und dencke selber nach was kan man wol beginnen

Wann feder hand und hertz mit kummer überstreut?

Jedoch ich weis du wirst die reime nicht verachten

Ob sie schon noch so schwach mit lahmen schritten gehn

Du wirst vielmehr durch sie den ordenitzt betrachten

Darinn du selbst nun must als mit-genoßin stehn.

Du darfst gewißlich dich des hinckens gar nicht schämen

Es ist von alters her fast hoch und werth geacht.

Mann must’ offt hinckende zum dienst der götter nehmen

Wann ihnen etwan ward ein opfer-fest gebracht;

Was war wol lieblicher und schöner anzusehen

Als da ein scharffer dorn der Venus fuß verletzt

Und sie deswegenlahm und hinckend muste gehen?

Und doch ward sie deshalb nicht minder hoch-geschätzt,

Das tantzen an sich selbst ist nur ein zierlichs hincken

Man hincket ebenfals nur daß mans künstlich macht

Bald hebt der fus sich auf bald mus er wieder sincken

So wie er durch die kunst in ordnung wird gebracht.

Ja selbst Vulcanus ist deshalb in himmel kommen

Man trug ihm willig auff der grossen götter rath

Die ihn in ihre zahl und freundschafft aufgenommen

Ob er schon noch so grob und starck gehincket hat;

Ist nun Vulcanus gott so mustu göttin werden

Weil ihr euch beyde gut und wol zusammen schickt;

Befeßle du demnach die freyheit dieser erden

Er hält den himmels- creys dort droben schon bestrickt.