Schertz-gedancken als er sie hincken sahe.
Verzeihe schönstes bild wann meine reimen hincken
Wenn alle syllben nicht in gleichen schrancken stehn
Wann offt die wörter selbst aus dem gewichte sincken
Und nicht wie sichs gebührt in steiffer ordnung gehn;
Sie lernen es von dir: denn als ich dich erblickte
Wie sich dein einer fuß nicht gar zu wol bequemt
Und dich bey jedem tritt fast zu der erden drückte
Ward hand und feder mir von stunden an gelähmt.
Kan hand und feder nun nicht eben zierlich schertzen
Steckt keine lieblichkeit in dieser engen schrifft;
So liegt die schuld an dir weil dein zu strenger schmertzen
Mir alle sehnen hemmt und durchs geäder trifft.
Wiewol mein brief will sich auch hinckend zu dir fügen
Er stellt sich eben so wie du erbärmlich an
Und kan man rath und trost aus frembdem kummer kriegen
So glaub ich daß er dich gewiß auch trösten kan.
Schau nur wie kläglich er wil hin und wieder sincken
Wie alle syllben fast auf krancken füssen gehn
Und wie die wörter selbst von allen seiten hincken
Was letzt soll geht voran was erst willetzlich stehn.
Nicht lache schönstes bild es taumlen hand und sinnen
Du schaust allhier die frucht verwirrter traurigkeit;
Und dencke selber nach was kan man wol beginnen
Wann feder hand und hertz mit kummer überstreut?
Jedoch ich weis du wirst die reime nicht verachten
Ob sie schon noch so schwach mit lahmen schritten gehn
Du wirst vielmehr durch sie den ordenitzt betrachten
Darinn du selbst nun must als mit-genoßin stehn.
Du darfst gewißlich dich des hinckens gar nicht schämen
Es ist von alters her fast hoch und werth geacht.
Mann must’ offt hinckende zum dienst der götter nehmen
Wann ihnen etwan ward ein opfer-fest gebracht;
Was war wol lieblicher und schöner anzusehen
Als da ein scharffer dorn der Venus fuß verletzt
Und sie deswegenlahm und hinckend muste gehen?
Und doch ward sie deshalb nicht minder hoch-geschätzt,
Das tantzen an sich selbst ist nur ein zierlichs hincken
Man hincket ebenfals nur daß mans künstlich macht
Bald hebt der fus sich auf bald mus er wieder sincken
So wie er durch die kunst in ordnung wird gebracht.
Ja selbst Vulcanus ist deshalb in himmel kommen
Man trug ihm willig auff der grossen götter rath
Die ihn in ihre zahl und freundschafft aufgenommen
Ob er schon noch so grob und starck gehincket hat;
Ist nun Vulcanus gott so mustu göttin werden
Weil ihr euch beyde gut und wol zusammen schickt;
Befeßle du demnach die freyheit dieser erden
Er hält den himmels- creys dort droben schon bestrickt.